Herr Pfarrer Erich Renz starb überraschend am 21. Januar 2004 in Wertach im Alter von 64 Jahren. Er wird morgen in seinem Geburtsort Babenhausen beerdigt. Der Herr schenke Ihm in seinem Reich ein Leben in Fülle und Geborgenheit. Wir Christen, die seinen Glauben teilen, wissen Ihn in Gottes liebevollen Händen und hoffen auf ein Wiedersehen in einer neuen Welt.

Der Trauergottesdienst mit der anschließenden Beerdigung findet am morgigen Samstag um 10 Uhr in Babenhausen statt. Dort wurde Erich Renz 1939 geboren. Für die Fahrt zur Beerdigung setzt Acht Seligkeiten einen Bus ein. Er fährt am Samstag um 8 Uhr am Kirchplatz in Füssen-West ab. Wer mitfahren will, soll sich im Pfarramt oder unter der Telefonnummer 08362/7988 anmelden.

Artikel vom 23. Januar 2004 aus dem Füssener Blatt / Lokalteil im Ostallgäu

Füssener nehmen von Erich Renz Abschied
Neun Jahre Pfarrer in Acht Seligkeiten - Morgen Beerdigung

Füssen/Wertach (asp). Neun Jahre war Erich Renz katholischer Seelsorger in Füssen-West. Als er im Sommer 1998 von der Pfarrei Zu den Acht Seligkeiten Abschied nahm, hinterließ er "selbstständige Erwachsene, die mit viel Eigeninitiative die Pfarrei lebendig halten", sagte er damals gegenüber unserer Zeitung. 

Im September 1989 kam Erich Renz nach Füssen. Hier trat er in der Pfarrei Zu den Acht Seligkeiten die Nachfolge von Geistlichem Rat Herbert Schuler an. Wie an seinen vorausgegangenen Stationen machte er auch in Füssen-West von Anfang an aus seiner Einstellung zu seinem Seelsorger-Beruf und zur Kirche kein Geheimnis: "Eine reine Kleriker-Kirche hat keine Zukunft." 

In Füssen-West ließ Erich Renz seinen Worten Taten folgen: Er führte die Menschen zusammen, ließ sie "suchen und finden" und baute mit ihnen die von Herbert Schuler geformte Pfarrei weiter auf. Mit Laien an der Seite, die ihm in der pastoralen Arbeit Stützen waren. So entstand beispielsweise ein Pfarrgemeinderat, in dem es keinen Vorsitzenden mehr gab. An der Spitze steht ein Leitungsteam aus vier Gleichberechtigten, und "der Pfarrer ist in den Sitzungen nur Mitglied", beschrieb Renz die Situation.

Ob in Füssen-West oder an anderen Orten, Pfarrer Renz sah seine Aufgabe jeweils als "befristete Begleitungsfunktion". Er verglich die Beziehung Pfarrer/Pfarrei mit der Beziehung Eltern/Kinder: Man begleite sie eine Zeit lang, wecke ihre Fähigkeiten "und dann entlässt man sie". Das Einbinden der Laien in die Arbeit der Pfarrei ermöglichte es ihm, sich als Priester und Seelsorger auf seine eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren.

Bei all seinem Wirken für die Pfarrei, für die jungen, Alten und Kranken waren für Erich Renz der Gottesdienst und die Predigt stets das Wichtigste. Er verkündete das Wort Gottes und wollte dessen Botschaft und die Kirche glaubwürdig machen. Er hielt auch mit der Quelle seiner Inspirationen nicht hinter dem Berg und benannte einmal den in der katholischen Kirche umstrittenen Theologie Professor Eugen Drewermann als seinen wichtigsten Lehrer im Umgang mit der Heiligen Schrift für die Predigt. Seine "Glaubensbotschaften" fanden in drei Büchern ihren Niederschlag: Erich Renz wurde Autor und betitelte seine herausgebrachten Bände mit "Der Gott, mit dem ich leben kann". 

Kritiker der Institution Kirche
Wie Drewermann stand auch Renz der Institution Kirche kritisch gegenüber. So stellte er sich 1995 voll hinter das damalige Kirchenvolksbegehren. Dabei ging es unter anderem auch um die freie Wahl zwischen zölibatärer und freier Lebensform. Renz setzte sich für die Gleichbehandlung der Frauen in der Kirche und die Abschaffung des Zölibats ein.

Erich Renz wurde 1965 in Augsburg zum Priester geweiht. Er war anschließend Kaplan in Göggingen, ein Jahr in Neu-Ulm, von 1972 bis 1973 Benefiziat in Schongau, lotste dann die Pfarrei St. Franziskus in Kempten, wechselte ins Nordschwäbische nach Auchsesheim und Nordheim bei Donauwörth, war vier Jahre Pfarrer in Illertissen-Au und Jedesheim, wo er mit dem Problem des Priestermangels auf dem Lande konfrontiert wurde. Füssen-West, die Pfarrei St. Josef in Memmingen und seit dem Jahr 2000 bis zu seinem Tod St. Ulrich in Wertach waren die weiteren Stationen von Pfarrer Erich Renz.

(Herzlichen Dank Herrn Arno Späth für diesen Artikel)

Aus der Zusammenstellung seiner thematischen Messfeier zum 8. Sonntag Lesejahr A; 19. Sonntag Lesejahr A und 12. Sonntag Lesejahr B: "Warum seid Ihr so ängstlich" würde er sich sicherlich den Chanson "Unter all die Sterne" zu seinem Requiem wünschen.

Die Nacht, als in dem Herrn der Wunsch nach dir erwacht,
die Nacht, aus die aus zwei Menschen dich hervor gebracht
die Nacht da Gott zum erstenmal dir zugelacht,
gelobt die Nacht!

Unter all die Sterne schrieb der Herr den Namen von dir
unter all die Sterne, nah bei Ihm und weit von hier.
Unter all die Sterne hat der Herr dein Leben gestellt.
Unter all die Sterne, ihm ganz nah am Himmelszelt.

Der Tag, da Gott dich rief und dein Herz zu ihm kam,
der Tag, da er für immer dich als Kind aufnahm,
der Tag, an dem in deinem Herz zur Ruh er kam,
gelobt der Tag!

Refrain

Die Stund, in der du Gottes letzten Ruf verstehst,
die Stund, wenn du das Ende deiner Zeit erflehst,
die Stund, in der du hoffnungsvoll dann zu ihm gehst,
gelobt die Stund!

Refrain

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man sollte das auch gar nicht versuchen. Man muss es einfach aushalten und durchhalten. Das klingt zunächst sehr hart, aber es ist zugleich ein großer Trost. Denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus. Er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch, unsere alte Gemeinschaft wenn auch unter Schmerzen zu bewahren.

Dietrich Bonhoeffer


                                                                                                       Foto: Sabine Metzger


                                                                                                       Foto: Sabine Metzger


                                                                                                       Foto: Sabine Metzger

Der Familie Renz unser tiefes Mitgefühl und ein herzliches "Vergelt's Gott" für die erwiesene Gastfreundschaft.

Artikel vom 26. Januar 2004 aus der AZ  / Lokalteil im Oberallgäu

Fahnenabordnungen der Wertacher Vereine begleiteten Pfarrer Erich Renz auf seinem letzen Weg. Große Kränze legten Bürgermeister Otto Hengge und der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Gottfried Metzger am Grab von Pfarrer Renz nieder.

"Freimutiger, streitbarer Prediger"
Erich Renz in Babenhausen beigesetzt begleitet von zahlreiche Wertachern.

Babenhausen/Wertach (sme). Am Samstag ist der Wertacher Pfarrer Erich Renz in seinem Geburtsort Babenhausen beigesetzt worden. Rund 50 Geistliche aus dem Dekanat Kempten und aus seinem Weihejahrgang sowie Trauergäste aus den Pfarreien in denen der Pfarrer gewirkt hatte - unter ihnen zahlreiche Wertacher - begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Den Gottesdienst zelebrierte Dekan Georg Endres.

Dekan Georg Endres beschrieb Pfarrer Erich Renz als einen freimütigen, unerschrockenen und begeisternden Prediger, der sich gegen Zentralismus und Konservativismus gewandt habe. Mit dem Leitsatz "Wir sind eine Kirche in Christus" habe sich Renz stets für eine ganze, weltweite Kirche und für eine zeitgemäße Verkündigung eingesetzt.

Seine Glaubensbotschaften hatte Pfarrer Renz in seinen Büchern unter dem Titel "Der Gott, mit dem du leben kannst" niedergeschrieben. Renz galt als kämpferischer und auch streitbarer Geistlicher, der der Institution Kirche durchaus kritisch gegenüber stand. Dekan Endres hatte seiner Predigt das Gedicht von Georg Trakl "Ein Winterabend" zugrunde gelegt.

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.

Pfarrer Erich Renz war erst seit gut drei Jahren Ortspfarrer in St, Ulrich in Wertach. "Wir hatten auf eine längere Amtszeit gehofft", erklärte Bürgermeister Otto Hengge bei der Beisetzung. Pfarrer Renz war im Alter von 64 Jahren plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben (wir berichteten).

"Weitergabe des Feuers"

Noch kurz vor seinem Tod hatte Pfarrer Renz in Wertach die Kommunionskinder vorgestellt und zusammen mit den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates eine Klausurtagung zu dem Thema "Weitergabe des Feuers, nicht Anbetung der Asche" durchgeführt. Die Thesen, die damals auf leuchtend roten Zetteln erarbeitet und niedergeschrieben worden waren, legte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Gottfried Metzger am Grab nieder.

Allein aus Wertach waren zwei Omnibusse mit Trauergästen zur Beisetzung von Pfarrer Erich Renz nach Babenhausen gefahren. Mit dabei waren die Musikkapelle sowie Fahnenabordnungen der Trachtenvereins und der Feuerwehr der Schützen- und des Sportvereins sowie des Veteranen- und Soldatenvereins.

(Herzlichen Dank Frau Sabine Metzger für diesen Artikel)

Werden die Jungen noch glauben können?
(Aus der Predigtreihe von H.Pfr. Erich Renz)