Füssener Pfarreiengemeinschaft zeigt ihre Vielfalt

Artikel von Lars Christian Kink aus dem Füssener Blatt 
der Allgäuer Zeitung vom Dienstag den 21. Sept. 04 Nr. 219
Fotos: Manfred Sailer / Alfred Vogler

 

Ein guter Weg in die Zukunft

Füssener Pfarreiengemeinschaft zeigt ihre Vielfalt.
Ein Knebel-Mobile für's Gleichgewicht

Füssen (Ick). Die Pfarreiengemeinschaft ist kein Wundermittel, aber sicher ein guter Weg in die Zukunft. Das betonte Domkapitular Prälat Dr. Dietmar Bernt beim Festgottesdienst anlässlich der Errichtung der Füssener Pfarreiengemeinschaft. Am Sonntag zeigte die Pfarreiengemeinschaft St. Mang, Zu den Acht Seligkeiten und St. Walburga der Öffentlichkeit ihr Gesicht. Ein Festzug mit der Harmoniemusik an der Spitze führte Vereine aus den drei Pfarreien in die Kirche Zu den Acht Seligkeiten. Nach dem Festgottesdienst fand im Soldatenheim ein Abend unter der Überschrift Begegnung statt.

Ein erstes Mal konnte die Pfarreiengemeinschaft im Füssener Westen ihre Vielfalt zeigen. Ein Beispiel hierfür war eine Installation einer Jugendgruppe am Altar. Der Selige Franz-Xaver Seelos und der Heilige Magnus waren dort künstlerisch präsentiert.

Festprediger Dr. Dietmar Bernt stellte heraus, es gehe um viel mehr als Zahlen und Daten und die Reaktion auf Priestermangel und Mangel an hauptberuflichen Kräften innerhalb der Kirche. Ein wichtiges positives Anzeichen sei vielmehr das ehrenamtliche Engagement. Alle Gläubige seien Träger der Seelsorge und es sei wichtig, dass sich die Kirche darauf besinne und handele. Diese Lebendigkeit gehöre zum Grundverständnis aus der Zeit der Apostel und habe der frühen Kirche ihre Strahlkraft verliehen, sagte Dr. Dietmar Bernt.

Bei gleichzeitiger Wahrung der Eigenständigkeit sei eine intensive Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen pastoralen Konzept die Zukunft. Das sei nicht nur schöne Theorie auf dem Papier, wie Berichte aus bereits bestehenden Pfarreiengemeinschaften zeigten. Vieles sei möglich an das vorher nicht gedacht werden konnte, hieße trotz aller Probleme das positive Resümee, so die Erfahrung des Festpredigers.

Symbolreiches Geschenk
Den gemeinsamen "Kennenlennenlern -Abend" im Soldatenheim umrahmten der Liederkranz und die Jungbläser der Harmoniemusik. Bei dem guten Geist brauche vor den Schwierigkeiten nicht bange zu sein, machte Bürgermeister Christian Gangl Mut. Zumal Schwierigkeiten Chancen in Arbeitskleidung seien. Als Glaubenszeuge eines einmaligen Geburtsvorganges sah sich Joachim Spengler. Der evangelische Pfarrer aus der Christuskirche zeigte sich beeindruckt, mit welcher Konsequenz die katholische Kirche diesen neuen Weg gehe. Dabei überreichte Spengler ein symbolreiches Geschenk. Ein selbstgebasteltes Mobile aus Fischen. Forelle, Hecht und Zander vertreten die Pfarreien, die vom Karpfen Ökumene in der geschickten Konstruktion im Gleichgewicht gehalten werden.

Vom Knebel-Mobil zum Knebel-Mobile wüssten Insider nun, stellte Spengler eine Verbindung zum 25-jährigen Priesterjubiläum von Karlheinz Knebel her. Damals gab es beim Festakt für den Stadtpfarrer ein Knebel-Mobil.

ZUR PERSON
Georg Rehm ist kein Unbekannter in Füssen. Schon einmal - 1992 bis 2000 - war der dreifache Familienvater Gemeindereferent in der Pfarrgemeinde Zu den Acht Seligkeiten: Nach einem Zwischenspiel bei der Wallfahrtsseelsorge an der Wieskirche ist er nun der neuen Pfarreiengemeinschaft zugeordnet. Gemeinsam mit seinen Kollegen Brigitte Böck und Christian Schulte wird er mit diesen Hand in Hand arbeiten. Wobei jeder seine Schwerpunkte betreut. Georg Rehm kümmert sich um die Arbeit mit den Ehrenamtlichen.

Bergexerzitien geplant
Wo sind Begabungen da und was kann daraus werden, lautet die Frage. Offentlichkeitsarbeit nach innen und nach außen nennt der ehemalige Dekanatsjugendseelsorger als weiteres Aufgabengebiet. Sowie bestimmte Einzelprojekte, die er umsetzen will. Zum Beispiel Bergexerzitien oder Exerzitien im Alltag. Wobei sich das Aufgabenfeld nicht auf Füssen beschränkt. Im Auftrag der Diözese soll Georg Rehm ein Konzept erstellen, wo was auf Dekanatsebene besser vernetzt werden kann.

Die Vereine aus Weißensee, Füssen St. Mang und Acht Seligkeiten stellten sich am Dreitannenbichl auf und marschierten gemeinsam geführt von der Blasmusik zur Pfarrkirche in Füssen West.

  

Die fröhliche Ministrantenschar der Pfarreiengemeinschaft umfasst alle Altersstufen. Steht auch der Dienst am Altar im Vordergrund, so finden Sport, Spiel und Spaß in den Ministrantengruppen immer ihren Platz. In Zukunft sorgt eine starke Gemeinschaft mit fähigen Initiatoren dafür, dass Gebet und Freizeitvergnügen zusammen finden. "Die Freude an Gott, Hallelujah, ist unsere Kraft, Hallelujah."

 

Die Vereine beim Einzug in die Kirche Zu den Acht Seligkeiten, in der die neue Füssener Pfarreiengemeinschaft mit einem Gottesdienst gefeiert wurde. 

  

  

Auf dem großzügig angelegten Kirchplatz konnten die Vereinsfahnen und Trachten so richtig zur Geltung kommen.

  

  

Alles Unerwartete hat auch seine Guten Seiten, wie man es auf den fröhlichen Gesichtern ablesen kann.

Im Altarraum der Kirche hat eine Gruppe Jugendlicher in den Vortagen hinter dem Priestersitz ihr großes Vorbild, den seligen Franz Xaver Seelos, auf Seide gesprüht und dahinter den Stadtpatron St. Mang so beleuchtet, dass er durch den Seligen Franz Xaver Seelos hindurch schien. Das Gestell gleicht dem Zeichen #, das allgemein als Platzhalter bei Computer-Schreibarbeiten eingesetzt wird. So soll deutlich werden, dass die Linie der Geschichte Füssens bis in unsere Zeit reicht und Jedermann/frau sich in diese Linie einreihen kann - noch ist der Platz dafür Vorhanden - frei gehalten.

  

Lied:  "Gott ist immer hier"

KV.: Willst du Gott wirklich finden, fang hier auf Erden an,
weil der der mit dem Herzen sucht, ihn sicher finden kann.

Vor dir und hinter dir, über dir und neben dir.
Gott ist immer hier, hier bei dir und mir.

1. Gott schwebt nicht über Wolken. Dort kannst du ihn nicht seh´n.
Er wird auch nicht wie Mond und Sterne hoch am Himmel steh´n.

T.: Rolf Krenzer, M.: Robert Haas

  

     

In einer feierlichen Prozession wurden die Gaben von der Seniorengruppe um Frau Barbara Schumann zum Altar gebracht. Damit wird deutlich, dass die Gaben vom Volk, also von uns und nicht von der "bereitstellenden Kirche" kommen. Genauso wie alle Gläubigen Träger der Seelsorge sind und nicht darauf bauen dürfen, dass "die Kirche" Seelsorger "bereitstellen" kann. Der herrschende Priestermangel hat seine Wurzeln in der Gesellschaft, die kaum noch zulässt, dass die Berufung "ihrer Kinder" zum Priesteramt gelebt und getragen wird.

  

Organist und Chorleiter Albert Frey. Frau Ingrid Heckenstaller begleitete den aus den drei Pfarreien gebildeten "Gemischten Chor" an der Orgel. 

Auch unsere Jugend gestaltete musikalisch den Festgottesdienst mit. 

  

Ein Lächeln, ein von Herzen kommendes Dankeschön, Vergelt's Gott,
anschließendes gemütliches Beisammensein im Soldatenheim der Gebirgsjäger Füssen. 

H. H. Pfarrer Piotrowski, der für die Altenseelsorge der Pfarreiengemeinschaft eingesetzte Pfarrer, konnte wegen seines gebrochenen Fußes nicht aktiv an der Messfeier teilnehmen, war aber als Kirchenbesucher unter den Gästen.

  

Ein Höhepunkt war unter anderem der Losverkauf zu Gunsten des Weltjugendtag 2005. Gewinne bis zu 5,-€ wurden direkt ausgezahlt, der Hauptgewinn, ein Auto, konnte aber noch nicht gefunden werden. 

  

  

Beim "Kennenlern" - Abend im Soldatenheim hatte der evangelische Pfarrer Joachim Spengler ein selbstgebasteltes Mobile aus Fischen als Geschenk für Dekan Karlheinz Knebel dabei: Forelle, Hecht und Zander vertreten die Pfarreien, die vom Karpfen Ökumene in der geschickten Konstruktion im Gleichgewicht gehalten werden.

  

Grußworte von Bürgermeister Christian Ganl und der evangelischen Kirchengemeinde. Pfarrer Joachim Spengler überreichte Dekan Karlheinz Knebel ein selbstgebasteltes Mobile, an dem die drei Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft (Forelle, Zander und Hecht) im Gleichgewicht im Teich der Zeit schwimmen - und der "Karpfen der Ökumene (rot)" nicht gefressen werden darf, denn dann geht's abwärts.

Besinnlich ließ Herr Herbert Thaler, Dirigent des Männerchor "Liederkranz Füssen", den Abend ausklingen.