Text und Bild von Klaus Bielenberg
Dienstag 28. November 2006; AZ Seite 32

Pluralität der Gesellschaft erfordert 
eine neue „Volkskirche“

Kirche soll in unserer pluralen Gesellschaft kein elitärer, abgehobener Verein sein, sondern auch zukünftig in einer gewissen Weiterentwicklung „Volkskirche“ bleiben. Allerdings bedarf es dazu eines Aufbruchs im Sinne des Lernens und Umlernens. Gezielte Gedanken und Anregungen hierzu bekamen die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Soldatenheims von dem renommierten Wissenschaftler für Soziologie und Theologie Professor Dr. Michael Ebertz bei einer ökumenischen Veranstaltung.

Dazu ist es nach Meinung des Redners notwendig, dass Abschied von einer Befehls- und Gehorsamskommunikation genommen werden muss. Es ist vielmehr wichtig, alle Kommunikationschancen zu nützen. Dabei ist zu beachten, dass die individuellen Lebensräume nicht mehr deckungsgleich mit ortsgebundenen Räumen sind, denkt man z.B. an das Arbeitsumfeld oder an das Internet. Es gilt ein Netzwerk mit Knotenpunkten zu errichten, in dem differenzierte und spezialisierte Zielprogramme angeboten werden. Wer will, dass Botschaften ankommen, muss sich an den verschiedenen Adressaten orientieren. Nur wer sich auf die Perspektiven beispielsweise der Jugendlichen, der Arbeitslosen, der Alten einlässt und deren Denken und Sprechen zu den Fragen des Daseins lernt, wird deren „Brille“ erkennen und daraus wiederum lernen, welche Botschaft als Hilfe überliefert werden kann. 

Zweifelsohne haben auch die Menschen der modernen Gesellschaft ein „religiöses Gesicht“. Das Problem besteht nur darin, dass dieses Gesicht in der „Rollenmaske“ des Alltagslebens, wie zum Beispiel im Beruf nicht sichtbar wird. Kritische Lebensereignisse wie Krankheit oder Tod eines nahen Angehörigen, also Lebenswenden sind es, wo das Gesicht zum Vorschein kommt. Die Beachtung der verschiedenen Milieus die sich häufig einander völlig fremd sind, ist ein ganz wichtiger Gesichtspunkt der Kommunikation. Es ist bei all dieser Problematik von Vorteil, dass Ressourcen durchaus herangezogen werden können. So sollten Kirchenräume nicht nur unter Kunst- sondern auch unter Glaubensaspekten betrachtet werden. Die Hochschätzung der kirchlichen Berufe ist ein Kredit, der genutzt werden muss. Die Arbeit der Ehrenamtlichen, die Pfarreiengemeinschaften, die ökumenische und schließlich die außerkirchliche Vernetzung sollten voll ausgelotet werden. Nischen, wie z.B. Urlaubsseelsorge, Krankenseelsorge und die Sterbebegleitung müssen besetzt sein.

In den anschließenden Fragen ging es zum Einen um die Vermittlung der heute „zeitgemäßen theologischen Bilder“, zum Anderen um die Verunsicherung, die in der Frage gipfelt, „was gilt denn noch ?“. Ebertz wies dabei immer wieder auf die Wichtigkeit der differenzierten Kommunikationsstrukturen hin, die horizontal, nicht vertikal verlaufen müssen, von Lernfähigkeit geprägt sind, dabei wahrhaftig bleiben und das entsprechende Maß an Qualität bieten. Wörtlich sagte er: „Wenn wir diesen Dreh nicht hinkriegen, dann gnade uns Gott!“

 

Festlicher Kapiteljahrtag in Nesselwang

Es ist eine überlegte und sicher richtige Entscheidung, dass der Kapiteljahrtag und der Kirchenmusiktag des Dekanats schon seit einigen Jahren zusammengelegt werden und somit der abendliche Gottesdienst eine besonders festliche Prägung erhält. Neben den Priestern und Diakonen rund um den Altar füllten das Kirchenschiff der schönen neubarocken Pfarrkirche St. Andreas rund 300 Sänger, haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter, aber auch Gemeindemitglieder.

In den einzelnen Pfarreien wäre wohl jeder Pfarrer glücklich, wenn ihm eine derart sangesfreudige Gemeinde an einem Werktag zur Seite stünde. Die einzelnen Volksgesänge, teilweise im Wechsel mit einer geschulten Schola, kamen bei einer solch hervorragenden Konstellation voll zum Tragen. 
    Besonders erhebend waren die beiden vierstimmigen Massenchöre , ein Agnus Dei aus der Messe in d-Moll, die 1843/44 komponiert wurde und ein Chorsatz von Johannes Brahms „Ach, arme Welt du trügest mich“. Albert Frey zeigte als Dekanatskantor viel Mut diese nicht leichten Gesänge mit so viel Sängern aufzuführen, wenn man weiß, wie schwer es ist, nach einer kleinen Verständigungsprobe einen geschlossenen Klangkörper zu formen und diesen mitzureißen. Dass dies gelang, lag sicher auch an der vorausgehenden intensiven Probenarbeit innerhalb der einzelnen Chöre. 
    Beim Zwischengesang des Nesselwanger Chores empfand man die gläubige Tiefe in dem Lied Beethovens „Gott deine Liebe reicht so weit“. Bei der Kommunion brach der Pfrontener Kirchenchor die Herzen auf mit dem schönen Satz von Hugo Distler „Lobet den Herren“. Die Messfeier fand einen eindrucksvollen Abschluss mit einer von Max Reger sehr sensiblen Vertonung eines alten Textes aus dem Ende des 16. Jahrhunderts „Die Nacht ist kommen“, die vom Kirchenchor St. Mang aus Füssen vorgetragen wurde.

In seiner Predigt verstand es Monsignore Karlheinz Knebel die Aussagen des Evangeliums mit dem Leben der Hl. Caecilia, der Patronin der Kirchenmusik, deren Gedenktag am 22. November ist, in Verbindung zu bringen. Ausgehend vom Gleichnis der törichten und klugen Jungfrauen wies er darauf hin, dass wir entscheidende Momente nicht verschlafen dürfen und Zeugnis abgeben sollen für Jesus Christus wie Caecilia. So wie die Musik aus der Begeisterung und der inneren Antriebskraft lebt, so sollen wir immer in einer gewissen Spannung aus der Normalität des Alltags heraustreten. Das können wir im Gottesdienst, aber auch in jedem Gebet. Unsere Beziehung zum Herrn sollte von Gottes Liebe geprägt sein. Dies hat Caecilia vorgelebt. Diese Liebe verhindert, dass wir „zu spät kommen“, wie dies bei den törichten Jungfrauen der Fall war. Gott will, dass wir in der Liebe sein Leuchten ausbreiten. Sich in diesen Dienst stellen zu lassen, fordert freilich die Zurückstellung der eigenen Person.

Während des Gottesdienstes wurde auch der verstorbenen Priester des Dekanates gedacht, wobei die Namen derer, die in den letzten Jahrzehnten verstorben sind, vorgelesen wurden.

Nach der kirchlichen Feier waren die Sänger noch zu einem Imbiss mit Umtrunk vom Nesselwanger Kirchenchor eingeladen. Dieses Treffen diente unter anderem dem gegenseitigen Kennen lernen. Natürlich wurden dabei auch weltliche Lieder gesungen.

Kultur am Ort
21. November 2006

150 Sänger in St. Andreas
Kirchenmusiktag des Dekanats in Nesselwang

Nesselwang (az). Das Dekanat Füssen veranstaltet den diesjährigen Kapiteljahrtag sowie den Dekanatskirchenmusiktag in Nesselwang. Dekan Monsignore Knebel lädt alle Priester so wie Sänger der Kirchenchöre des Dekanats Füssen am Freitag, 24. November, zum Gottesdienst um 19 Uhr in die Pfarrkirche St. Andreas ein, deren 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr gefeiert wird.

 

Die feierliche Messe, in welcher der verstorbenen Priester des Dekanats gedacht wird, gestalten acht Kirchenchöre mit nahezu 150 Sängern. Die Predigt hält Monsignore Karlheinz Knebel, der Dekan. 

An der Orgel spielt Werner Zuber, Fachreferent für Kirchenmusik. Gemeinsam singen alle Sänger einen Chorsatz von Anton Bruckner (Agnus Dei) sowie die Motette „Ach arme Welt" von Johannes Brahms. Weitere Elemente singen der gastgebende Kirchenchor Nesselwang unter Leitung von Gottfried Allgaier, der Kirchenchor der Pfarrei St. Nikolaus Pfronten unter Leitung von Heinz-Josef Fröschen und der Kirchenchor von St. Mang in Füssen unter der Leitung von Albert Frey.

Im Anschluss lädt die Pfarrei die Sänger und Geistlichen zum Umtrunk ins Pfarrheim ein.

  

Sonntag 26. 11. Patrozinium Pfarrkirche St. Andreas 
Zelebrant und Prediger H.H. Bischof Dr Josef Klemens / Rom
"Missa Sancti Gabrielis von Michael Hayden

Ausstellung: 
Baugeschichte der Pfarrkirche St. Andreas in der Pfarrkirche
Foto-Ausstellung vom Festjahr im Pfarrheim ab 10.45 h

Ausführlicher Text zum Kapiteljahrtag siehe kommendes Sonntagsblatt

Kapiteljahrtag 2005