Text und Bild: Georg Rehm; AZ; Füssener Blatt;  Feb. 2006

Compassion 2006

Compassion ist das Unterrichtsthema für die 10. Klassen
Soziale Einrichtungen ermöglichen Praktikumswoche für Füssener Gymnasiasten

Füssen (reh)
Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen des Füssener Staatlichen Gymnasiums hatten in dieser Woche nur ein großes gemeinsames Thema: „Compassion“. Hinter diesem Wort verbirgt sich die Idee, dass die Jugendlichen in verschiedenen sozialen Einrichtungen arbeiten und deren Arbeit kennen lernen sollen. Die 15 – 16 jährigen Jugendlichen mussten sich selbst um ihre Praktikumsstelle in Kindergärten, Altenheimen oder anderen Einrichtungen bewerben. So landeten Katharina Gnendiger und Martin Scheffler bei der Sozialstation in Füssen und arbeiteten für sieben Stunden täglich in der Kurzzeitpflege mit. Der für die beiden Schüler außergewöhnliche Tagesablauf beginnt mit dem Vorbereiten des Frühstücks, dem Servieren von Kaffee und Semmeln und auch das Aufstreichen und Aufschneiden für die pflegebedürftigen Menschen gehört dazu. Vom ersten Tag an wurden sie in die täglichen Aufgaben integriert.

Neben den Mahlzeiten ist es die Aufgabe der Praktikanten mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Kurzzeitpflege zu Spielen, Spazieren zu gehen oder einfach behilflich sein, wo es nötig ist. Wenn Zeit bleibt, übernehmen sie auch andere Aufgaben im Haus. So wurde Martin eingespannt in die Vorbereitung von Renovierungsarbeiten, als ein ganzes Stockwerk für Bodenarbeiten geräumt wurde. Katharina dagegen traf es zur Mithilfe in der Küche.

Am Anfang sei es schon verwirrend gewesen, bis sie wusste wer wer ist, dass eine Frau mit Diabetes keinen Zucker bekommen darf und wo welche Dinge zu finden sind, erinnert sich Katharina an die ersten Stunden. Auch dass sie mit „Schwester“ angesprochen wird, weil sie die einheitliche Kleidung aller Mitarbeiter trägt war für sie ungewöhnlich. Das Ziel der Aktion, etwas für andere zu tun sieht Katharina als erreicht und bezeichnet es als gute Erfahrung. Dass es schon eine berufliche Entscheidung in diese Richtung geben kann ist für beide noch zu weit weg, „höchstens mal als Ferienjob“, sagt Martin. Auf die Frage, warum sie gerade zur Sozialstation gegangen sei und nicht in einen Kindergarten, sagt Katharina, dass sie schon immer gern mit alten Menschen geredet habe. Dass sich durch die Erfahrungen den Schulalltag der nächsten Wochen verändert, erwartet sie nicht, aber gespannt ist sie, wie im Deutsch- und Religionsunterricht das Thema nachbearbeitet wird. Maria Schödlbauer, ihre Lehrerin möchte die Erfahrungen der Schüler in ein Projekt zum Kirchenjubiläum der Pfarrei Zu den Acht Seligkeiten einfließen lassen.

Die Geschäftsführerin der Sozialstation Andrea Mahler betont, dass sie gern die Türen für die Praktikanten öffnet. Dabei beschreibt sie auch die Schwierigkeiten, mit denen die Jugendlichen konfrontiert werden. Der Umgang mit dementen Menschen, die manchmal schwer verständliche Sprache oder auch die erste Begegnung mit Menschen, die bereits ein hohes Alter erreicht haben, sind die Herausforderungen, denen sich die Gymnasiasten stellen.

Abschließend sagt Katharina noch, dass es ihr Spaß macht und das scheint auch die Meinung der Frau zu sein, der sie gerade das Frühstück zubereitet hat, wenn sie sagt „Das ist ein sehr nettes Mädchen!“