"Füssener Chorweihnacht"

Sonntag, 17.12. um 16.00 Uhr, gestaltet vom Liederkranz Füssen gemeinsam mit dem Chorverband Bayerisch-Schwaben in der Stadtpfarrkirche St. Mang.

Text von Klaus Bielenberg
Fotos; Klaus Bielenberg und Alfred Vogler

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Nach vielen Jahren wieder eine eindrucksvolle Chorweihnacht
Zehn Jahre sind es her, dass in Füssen letztmals eine Chorweihnacht aus dem alpenländischen Raum statt gefunden hat. Der Initiative des Liederkranzes Füssen ist es zu verdanken, dass nun eine Neubelebung versucht wurde. Welcher Beliebtheit sich diese Chorkonzerte erfreuten, sieht man daran, dass die „Füssener Chorweihnacht“ in St. Mang schon seit Wochen ausverkauft war. Chöre und Bläser aus Südtirol, Tirol und Bayerisch Schwaben hatten sich im Kirchenraum verteilt und boten trotz der Vielfältigkeit der Stilrichtungen ein Konzert aus einem Guss, das die gespannten Erwartungen der Besucher erfüllte.
Das Programm hatte eine klare Gliederung. Es führte über die Verkündigung zur Geburt, Anbetung, zu den Hirten und schließlich zu den drei Königen. Jeder Teil wurde mit erhabenen Sätzen der Magnusbläser eröffnet, wozu sich die dargebotenen Kompositionen alter Komponisten vom 16. bis zum 18. Jahrhundert anboten. Die Augsburger Domsingknaben hatten ihren B-Chor unter Leitung von Ulrich Streckmann nach Füssen entsandt, der wohl mit den bekannten Weihnachtsliedern wie „Still, still, weil´s Kindlein schlafen will“ , „Ihr Hirten erwacht“, und schließlich dem Sternsingerlied „Die heilig drei König“ die Zuhörer besonders erfreute. Ansätze einer konsequenten Stimmschulung sowie Sprech- und Atemtechnik waren bei den mehr-stimmigen Gesängen unverkennbar.
Der Liederkranz Füssen gefiel bei seinen Chorsätzen mit ausgefeilter Artikulation. Er interpretierte die Texte der einzelnen Strophen gemäß ihrer Aussage und brachte somit Farbe in den Vortrag. Neben Sätzen von Franz Miller und Friedrich Paulsen entdeckte man auch einen Satz des Dirigenten Herbert Thaler, der von seinen Tenören mit dem Lied „Drei Könige wandern“ einiges abverlangte. Der Männerchor aus Reutte mit seinem Chorleiter Peter Kurz bewies sein Können mit heimatverbundenen Volksliedern, die er sauber intonierte.

Eine zum Teil anspruchsvollere Kost bot der Mottetenchor mit Albert Frey. Die Werke von Zoltán Kodály „Veni Emmanuel“ und Max Reger „Schlaf mein Kindlein“ , verlangen ein absolutes Versenken in die moderneren Tonsprachen des 19. und 20. Jahrhunderts. Dies ist dem an sich kleinen Chor, der von der Empore aus sang, gut gelungen. Eine Überraschung war dabei auch die überzeugende Darbietung der Komposition von „Kleiner Knabe, großer Gott“, die unter dem Pseudonym des Liederkomponisten Arnold Mendelssohn veröffentlicht wurde.

Mit der Einladung des Kirchenchores aus Wengen hatten die Verantwortlichen eine gute Entscheidung getroffen. Der Dirigent Elio Clara des Südtiroler Chores versteht es seine Sängerinnen und Sänger mitzureißen und erreicht dadurch einen kompakten, aus-gereiften Chorklang mit lebendiger Dynamik. Offensichtlich wurde dies bei dem mächtigen „Machet die Tore weit“, oder beim ein-drucksvoll inszenierten „Veni, veni Emanuel“ im Satz des Schweden Jan-Akke Hillerud. Ganz besonders anrührend waren die ladinischen Gesänge, die der Chor in besonderem Maße pflegt.

Wenn von dem Rundgang der Kuppel Chorknaben leise und dezent zum Gitarrenklang das „Stille Nacht“ anstimmen, dann geht wohl jedem Besucher das Herz auf. Es war schön, dass die Zuhörer der Bitte von Monsignore Karlheinz Knebel nachkamen und anschließend dem Glockengeläute lauschten, das, wie es der Pfarrer ausdrückte, „zur Poesie der Musik und des Raumes dazugehört.“ Ein schöner Abschluss einer eindrucksvollen Chorweihnacht!