Text und Foto: Arno Späth / AZ / Füssener Blatt / 1. Dez. 2005

Gustav Knebel wird 90
und freut sich auf „meine Kameraden"

45 Jahre Stadtrat-Träger des goldenen Ehrenrings

Füssen Einige Zeit ist es schon her, dass Gustav Knebel in Füssen nahezu täglich die Fußgängerzone hinunter und hinauf spazierte, Bürger auf der Straße mit einem „wia goht's" nach dem Wohlbefinden fragte und „hoagartete". Aber inzwischen ist der Radius der Spaziergänge kleiner geworden. Seine „Kameraden" kommen häufiger zu ihm ans Haus beim Bleichertörle als er in die Reichenstraße. Heute werden bestimmt etliche bei ihm vorbeischauen: Gustav Knebel wird 90 Jahre alt.

Die neun Jahrzehnte haben bei ihm Spuren hinterlassen. „Ich kann nicht sagen, mir geht's schlecht", erzählte er in seiner bescheidenen Art gegenüber unserer Zeitung. Aber das Hören und das Sehen haben nachgelassen. Und die Füße tragen ihn nicht mehr so weit. Deshalb stützt er sich auf einen Stock und nimmt für seine kurze Runde am Lechufer entlang ein Gehwägelchen zu Hilfe.

Sein Wunsch zum Neunzigsten? „Dass es mir einigermaßen gut geht, ich geistig wach bleibe und a bissle laufen kann", sagte er und setzt noch einen Wunsch drauf: „Und dass es der Stadt gut geht!" Seiner Heimatstadt Füssen, der er als Stadt- und Kreisrat, stellvertretender Bürgermeister und stellvertretender Landrat sein halbes Leben lang diente. Das haben ihm viele Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen. Und das wird „der Knebel Guschtl", wie er in Füssen genannt wird, heute durch Besuche und Glückwünsche zu seinem Geburtstag erleben dürfen.

Was waren in den zurückliegenden 90 Jahren das schönste und das schlechteste Erlebnis? Gustav Knebel überlegt nicht lange. „Das Schönste", sagte er sofort, „dass ich meine Frau Amalie' kennen lernte und heiraten konnte." Und das Schlechteste war der Krieg. Er hat ihn aus der Bahn geworfen. „Das, was ich hätte tun wollen - Theologie studieren - das habe ich nicht mehr machen können." Denn mit dem Krieg änderte sich nicht nur für ihn die Zeit schlagartig. Und im Krieg verlor er in Frankreich durch einen Granatsplitter seine rechte Hand. „Das war am Geburtstag meiner Mutter, am 13. Juni 1944."

Um Füssen verdient gemacht Wieder zurück in Füssen wurde Gustav Knebel zu einem „Motor für die Allgemeinheit". Er wurde im Landratsamt Leiter des Ernährungs- und Flüchtlingsamtes, des Kreiswohnungs- und Ausgleichsamtes und war am Entstehen der Kriegsopfersiedlung westlich der Froschenseestraße beteiligt. Von 1948 bis zu seinem Ausscheiden 1993 gehörte er ununterbrochen dem Füssener Stadtrat an, war zehn Jahre (1974 bis 1984) Zweiter Bürgermeister und von 1978 bis 1984 Stellvertreter des Landrats im Ostallgäu. „Gustav Knebel hat sich um die Stadt Füssen verdient gemacht", hieß es wiederholt, wenn sein Engagement für die Allgemeinheit gewürdigt wur

de. Knebel wurde mit dem goldenen Ehrenring der Stadt Füssen und der kommunalen Verdienstmedaille ausgezeichnet, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und des päpstlichen Ordens „pro ecclesia et pontifice". Mit Letzterem würdigte Papst Johannes Paul II. die langjährige treue Haltung von Gustav Knebel, dem Vater des Füssener Stadtpfarrers Monsignore Karlheinz Knebel, zur katholischen Kirche sowie sein christliches und überzeugt katholisches Wirken in der Stadt und im Landkreis.

Arno Späth

Auch die Pfarrgemeinde "Zu den Acht Seligkeiten"
gratuliert recht herzlich zum 90. Geburtstagsjubiläum.

Über das Älterwerden

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär'.

Doch schon mit 18 denkt er: "Halt!
Wer über 20 ist, ist alt."
Warum? Die 20 sind vergnüglich -
auch sind die 30 noch vorzüglich.

Zwar in den 40 - welche Wende -
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh'!

Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
"Ich schaff' die 80, so Gott will."

Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.

Doch hat die Mitte 90 man erreicht
- die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: "Na - vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!"