Text u. Foto: Georg Rehm / AZ Füssener Blatt Do. 21. Juli 2005

Die Selbstachtung als Folge des Liebesgebotes
Achtes ökumenisches Frauenfrühstück macht erstes Jahr voll

Füssen (reh). Seit einem Jahr lädt eine Gruppe von Frauen aus den evangelischen und den katholischen Pfarreien Füssens einmal im Monat zum ökumenischen Frauenfrühstück. Feste Bestandteile des Vormittags sind das Frühstücksbuffet, Musik, Gebet und eine Referentin oder Referent, die einen Teil gemeinsam mit den Frauen gestalten. Die Kinderbetreuung ermöglicht es auch Frauen mit kleinen Kindern diesen Vormittag mitzuerleben. Bereits achtmal im ersten Jahr haben sich dazu zwischen 30 und 50 Frauen im Haus der Begegnung bei der evangelischen Christuskirche eingefunden.

So auch jetzt mit Ida-Anna Braun als Referentin. Sie arbeitet bei der katholischen Frauenseelsorge und ist für den südlichen Teil der Diözese Augsburg zuständig. Mit einer irischen Volksweise, gespielt auf der Blockflöte, gestaltete Petra Jaumann-Bader den Übergang vom Büfett zum Vortrag.

„Selbstachtung ist der gute Ruf, den Frau bei sich selbst hat", begann Ida-Anna Braun. Von der biblischen Aussage ausgehend, „liebe deinen Nächsten, wie dich selbst", kam sie zur seelischen Gesundheit: „Wer ein gutes Maß an Selbstachtung besitzt, kann das Leben besser meistern und zerbricht nicht so leicht an den Schwierigkeiten des Alltags." Sie führte aus, wie sich im Laufe der persönlichen Entwicklung von Kindesbeinen an auch die Selbstachtung beim Menschen ausbildet. Dabei komme es allerdings auch immer wieder zu Situationen in der Erziehung, die diese Entwicklung beeinträchtigen: Wenn zum Beispiel ein Kind immer wieder gesagt bekommt, wie wenig es eigentlich kann und ihm nichts zugetraut wird. Das könne dazu führen, dass Frauen sich in Selbsterniedrigung, geringer Selbstachtung und daraus folgend in Selbstzweifeln verstricken. Dunkle Wolken, Perfektionismus, kritische Aufzeichnungen; ständige Vergleiche mit anderen, Ängstlichkeit, dass immer das Schlimmste geschehen könnte und die Unfähigkeit, Lob anzunehmen, sind Kennzeichen geringer Selbstachtung, die die Referentin mehr bei Frauen, als bei Männern beobachtet.

Die Säulen

Dagegen stellte sie die Säulen der Selbstachtung auf: „Bewusst leben, Selbstakzeptanz, Selbstverantwortung für das Handeln im Alltag, eine angemessene Selbstbehauptung, die Ausrichtung auf Lebensziele und die persönlicher Integrität." Die Übereinstimmung der persönlichen Ideale und Werte mit den Handlungen und dem Verhalten benannte sie als Weg, mit Selbstachtung das Leben als Frau gut meistern zu können. Sie schloss den Kreis, mit den religiösen Bindungen, „denn ich bin von Gott zu Selbstwert und Würde berufen". In einer Murmelrunde und durch verschiedene Wortmeldungen signalisierten die anwesenden Frauen, dass die Referentin die Fragestellungen genau getroffen hat, wenn auch die eine oder andere Aussage unterschiedlich bewertet und weiter diskutiert wurde. Der Wunsch nach Ordnung im Haushalt und der Perfektionismus, der zwanghafte Züge trägt, wurden als nahe verwandt entdeckt. Auch die beispielhafte Aussage einer Verkäuferin regte unterschiedliche Reaktionen an. Einer anderen Frau ein Lob auszusprechen, war in der Schlussphase eine konkrete Übung zur Stärkung der Selbstachtung.

•Beim nächsten Frauenfrühstück am 13. September um 9 Uhr spricht Diakon Elmar Schmidt aus Marktoberdorf zum Thema „Die fünf Sprachen der Liebe".

Das Bild zeigt die Initiatorinnen des ökumenischen Frauenfrühstücks mit der Referentin der „Jubiläumsveranstaltung" (von links): Marita Spengler, Christine Ranke, Dr. Renate Fies, die Referentin Ida-Anne Braun von der Frauenseelsorge der Diözese Augsburg, Petra Jaumann-Bader, Michaela Plitzner und Brigitte Jansen. Auf dem Bild fehlt Cornelia Driendl.

Foto: Georg Rehm