1. November

Texte entnommen aus dem Schott

Allerseelen

Der Allerseelentag am 2. November geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos vom Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt.

Eröffnungsvers 1 Thess 4, 14; 1 Kor 15, 22

Wie Jesus gestorben und auferstanden ist,
so wird Gott auch die in Jesus Entschlafenen mit ihm vereinen.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus einst alle lebendig gemacht.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott,
wir glauben und bekennen,
dass du deinen Sohn
als Ersten von den Toten auferweckt hast.
Stärke unsere Hoffnung,
dass du auch unsere Brüder und Schwestern
auferwecken wirst zum ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

       ( Füssener Kindergrab )

Text von Werner Hacker, AZ Füssener Blatt 1. November 2005

Zu klein, um zu leben

Totgeburten: Initiativgruppe bietet Trost und Grabstätte

Füssen (ha). Diese Minuten sind ein Albtraum. Vom Arzt erfahren die werdenden Eltern: Ihr Baby wird nicht leben können. Die Interessensinitiative für Tod-Frühgeborene Kinder Füssen spendet betroffenen Paaren Trost und leitet auf persönlichen Wunsch eine würdevolle Bestattung in die Wege.

Maximiliane Jüttner ist Hebamme - ein wundervollen Beruf. Manchmal jedoch erlebt sie stellvertretend alles Elend dieser Welt. „Im vergangenen Jahr hatten wir drei Babys, die noch zu klein oder zu krank waren, um zu leben", erzählt sie. „Die betroffenen Paare sind in einer schwierigen Situation. Sie haben sich so sehr auf ihr kleines geliebtes Kind gefreut und müssen jetzt Gefühle voller Schmerz aushalten. Das Schreckliche, das ihnen widerfährt, stürzt sie in Trauer und Ratlosigkeit. Doch es gibt auch Momente, in denen Fragen auftauchen. Wir können hier begleitende Hilfestellung bieten." Wir, das ist ein kleiner, aber engagierter Kreis. Vertreter der Kirche sind ebenso Ansprechpartner für die Betroffenen wie Bürgerinnen und Bürger. Die nur von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragene Gruppe wird von der Stadt Füssen unterstützt.

Sie sitzen diesmal an einem Tisch im Franziskanerkloster, um gemeinsam Bilanz zu ziehen und weitere Aktivitäten zu planen. Der Monat November bietet sich für einen Gedenknachmittag an. „Das Konzept ist gut! Es ist so ausgerichtet, dass sich alle Eltern angesprochen fühlen können, die ein Kind verloren haben", sagt Pater Ernst Fischer.

Alle in der Runde - darunter der evangelische Pfarrer Mathias Schricker - einigen sich schnell auf einen Termin. „Wer nimmt noch ein paar von den Plakaten und Infoblättern zum Verteilen mit?", fragt Beate Kowoll. Sie leitete die Sitzung. Zuvor stand sie einige Minuten vor dem Kindergräberfeld im alten Friedhof. Das von Alois Vogler gestaltete Denkmal auf der Grabstätte lädt Besucher des Sebastiansfriedhofs zur stillen Einkehr ein. Jemand legte hier eine rote Rose nieder. Wusste diese trauernde Person, wie sachlich und kalt sich geltendes Recht ausdrücken muss?

Keine Bestattungspflicht

Noch gilt in Bayern: Für Eltern gibt es bei Fehlgeburten, das heißt bei tot geborenen Babys unter 500 Gramm, keine Bestattungspflicht. Doch sie haben - und hier setzt die Füssener Interessensinitiative an - ein Bestattungsrecht. Beate Kowoll kennt den Zwiespalt, in dem sich ein Paar befindet, dessen Kind nicht lebensfähig war. „Den Gedanken an eine Beerdigung des tot geborenen Kindes möchten die Betroffenen oft weit von sich schieben. Wir nähern uns ihnen behutsam mit einer tröstenden Botschaft. Sie sollen sich Zeit lassen, um zu spüren, welche Bedeutung die Beerdigung und eine Grabstelle haben können." Pater Ernst, der in der Krankenhaus-Seelsorge tätig ist, ergänzt: „Manchmal ändert sich die Einstellung der Eltern tot geborener Kinder schnell. In der Kindergrabstätte auf dem Sebastiansfriedhof sehen sie einen Ort, an dem sie beten können."

Die Pflege der Gedenkstätte für tot geborene Kinder übernimmt die Füssener Initiative, die bei der ehrenamtlichen Tätigkeit auf Spenden angewiesen ist. Wer helfen möchte: Kirchenstiftung St. Mang/Füssen, Sparkasse Allgäu, Kennwort „Frühgeburten": Kontonummer 6102 73 435, Bankleitzahl: 733 500 00.

Der Gedenknachmittag für alle verstorbenen Kinder findet am Samstag, 12. November, statt. Um 16.30 Uhr versammeln sich die Teilnehmer zur Andacht in der Füssener Franziskanerkirche. Anschließend wird das Gräberfeld im Sebastiansfriedhof („alter Friedhof") besucht. Gelegenheit zum Gedankenaustausch besteht danach im Franziskanerkloster.