"Sag ja, sag nein, getanzt muss sein",

der Füssener Totentanz von Jakob Hiebeler (1602)
hat die St. Annakapelle der Basilika St. Mang
Welt berühmt gemacht.

Einmal im Jahr, am Gedenktag der Mutter Mariens, der hl. Anna und ihres Gatten, dem Hl. Joachim, wird in der Kapelle die hl. Messe gelesen.

Im Zentrum des Hochaltar die hl. Anna, auf ihrem Schoß die Jungfrau Maria und das Jesuskind.

Regionaldekan Karlheinz Knebel liest das Evangelium, links von Ihm sein Mesner Bruno Ehrentreich.

  

Im Kampf von Gut und Böse gibt es einen, der abwinkt, ohne sich um den Stand der Dinge zu kümmern. Die Sieger werden dann vor Gott von Jesus Christus vertreten während die Verlierer draußen heulen und mit den Zähnen knirschen werden.

Das Deckengemälde in der Annakapelle zeigt die von Tod und Teufel gefesselte Welt und das erwartete Reich Gottes in der Scene Maria Himmelfahrt.

  

Die  St. Anna Kapelle und der auf der Rückwand dargestellte Totentanz können in Verbindung mit den Kirchenführungen besichtigt werden. 

Thomas Riedmiller, Leiter des Museums der Stadt Füssen, legt zum 400. Geburtstag des Totentanzes von Jakob Hiebeler ein reich illustriertes, ausgesprochen informatives Leporello vor. Enthalten sind nicht nur gut ausgeleuchtete Aufnahmen aller Einzelszenen, sondern auch Details, Quellen und Dokumente zur Rezeption, ja sogar Hinweise auf die Entstehungsgeschichte. Bestellungen richten Sie bitte an das Museum der Stadt Füssen,
Lechhalde 3, D-87629 Füssen, Fax 0049 / 8362 / 903-201, Mail:
t.riedmiller@Füssen.de

Der Tod spricht zum Die Anwort
Papst:
Heilig seid ihr auf Erd genannt,
ohn Gott der höchst ist euer stand,
Doch kann ich wahrlich nicht umgahn,
ich muss mit euch den ersten han.

O Adam, Adam, Vater mein,
uns hast gebracht in diese Pein -
Jetzt muss ich tanzen allen vor,
kommt all hernach zum toten Chor.
Kaiser:
Herr Kaiser kommt in Reihn rein,
und tanz fein nach dem Papst hinein.
Euer Reich und Gewalt hat auch ein Ende,
drum sperrt auch nit kommt her geschwind

Mein Land und Reich ich mehren tet,
mein Feind auch tapfer widerstrebt.
Allein der Tod ist mächtig mein,
Der sprengt mich auch in Reihen rein.
Fürst:
Habt ihr mit Frauen hoch gesprungen,
o stolzer Fürst hat euch wohl gelungen.
Das müßt ihr in den Reihen büßen,
kommt her und tut die Toten grüßen.

O Mord, muß ich so flux davon,
Land, Leut, Weib, Kind dahinten lon.
So erbarm sich Gott in seinem Reich,
Jetzund wiert ich meim Tanzer gleich.
Bischof:
Herr Bischof weis und wohlgelehrt,
Euer Würde hat sich auch verkehrt.
Gebt auf ist Zeit das Regiment,
Euer Leben eilt jetzt auch zum end.

Ich bin gar hoch geachtet worden,
Die weil ich lebt im Bischofsorden.
Nun kann ich auch ins toten Land,
Seht zu, er führt mich bei der Hand.
Fürstin:
Ich tanze euch vor, Frau Fürstin fein,
Nur sprengt hernach, der Tanz ist mein,
Wo ist jetzt euer Hofgesind,
Ist als Verschwunden wie der Wind.

O weh und ach anjetzt und immer,
wo ist jetzund mein Frauen Zimmer.
Heut Fürstin und dann nimmermehr,
O Angst und Not, wie tut so weh.
Doktor:
Herr Doktor beschaut mein zarten Leib,
Ob doch derselb recht gmachet sei.
Ihr habt oft manchen hin gericht,
Der aller Gestalt jetzt mir gleich sicht.

Ich hat mit meinen Wassers Beschaun,
Geholfen beiden Mann und Frauen.
Wer bschaut mir nun das Wasser mein,
Mich treibt der Tod in Reihn nein.
Kaufmann:
Laß ab Kaufmann von deinem Werben,
Die Zeit ist hin, jetzt mußt du sterben.
Hast du schon gehabt viel süßes Geschleck,
Jetzt wird's dir sauer, du mußt hinweg.

Mein Haus tat ich versehen wohl,
Meine Kästen und Kasten steck ich voll.
Jetzt wo ich bin zum besten drin,
muß ich in diesen toten ring.
Wirt:
Kunst hast abglernt Christo fein,
aus Wasser hast du gemacht oft Wein.
An einer Maß zwen Kreuzer Gewinn,
Ist gar zu viel Tanz her, mußt hin.

Ich hab zwar oft viel seltsam Gäst,
Jetzt kommt der Tod und ist der letzt
Mit dem ich nun abrechnen muß,
Für Zech gibt er mir Toten Buß.
Wucherer:
Du Wucherer und gottloser Mann,
Dein Gut und Geld sieh ich nicht an.
Der armen Leut hast viel verderbt,
Ein schwarzer Tod ist jetzt dein Gfährt.

Ich fragt nicht viel nach Christi Lehr,
Gedacht der Wucher trag viel mehr.
Jetzt bleibt der Bettel all dahin,
Was hilft mir jetzt mein schaben und schinden.
Bauer:
Hui auf o Bauer mit deinem Knecht,
Du mußt mir halten auch ein gfecht.
Dein Flegel magst wol fallen lon,
Zun unserm Tanz richt dich gar schon.

Mein Leben war der Arbeit voll,
An meinen Händen sieht mans wohl.
Das Feld wollt ich doch lieber bauen,
Denn diesen Tierling jetzt anschaun.
Abt:
Herr Abt vor mir seid ihr nicht gfreit,
Mußt auch mit mir in toten Streit.
Legweg den Stab und Inful fein,
kommt her, es muß getanzet sein.

Prälat ward ich in diesem Land,
Und hochgeachtet in meinem Stand.
Jetzt kommt der Tod, was ist mein Gewinn,
Gott bhüt mein Kloster, ich fahr dahin.
Junker:
O Junker, mit dem Knebelbart,
Euer Reu habt ihr zu lang gespart.
Ihr meint, es gang euch alles hin,
Tanzt her mit mir, ist euer Gwinn.

In dieser Welt war ich bekannt,
Dazu ein Edelmann genannt.
Nun bin ich von dem Tod gefällt
Und her an diesen Tanz gestellt.
Edelfrau:
O Frau, was soll doch diese Pracht,
Den ihr tut führen Tag und Nacht.
Zieht ab das Kleidlein zart und weich,
Und tanzt mit mir, so wird ihr bleich.

Der Tod kommt mir auch vor die Tür,
Es kommt mir grausam seltsam für.
Hab nicht vermeint, daß noch sei Zeit,
Gar schnell hat er mich übereilt.
Pfarrer:
Herr Pfarrer merket auf eure Lehr,
Kommt auch in meinen Tanz hieher.
Ihr singt und sagt viel von dem Tod,
Ihr müßt erfahren auch die Not.

Ich hab gepredigt oft und viel,
daß kein keiner hab kein gwisses Ziel.
Das Werk probiert den Meister fein,
Drum lauf ich auch in Reihn nein.
Amtmann:
Seit ihr Herr Vogt und Amtmann hie,
Kommt her, versucht mein Pfefferbrüh.
Mit Schank und Schmieren ist es aus,
Kommt her mit mir, in unser Haus.

Im Amt hab ich nicht braucht Gewalt,
daß ich thät war in Dieners Gstalt.
Durch Schankung war ich nicht verführt,
Doch muß ich tun, was Dir gelübt.
Hexe:
Hupf auf, du hessigs Kameltier,
Im Feuer muß du jetzt schwitzen schier.
Dein Gabelreiten hat ein End.
Vom Heuberg hol ich Dich gar schwind.

Gott selbst auch seine Heilgen zwar,
Hab ich verlaugnet offenbar.
Mein Glübd hab ich dem Teufel tun,
O weh, o weh, was wird mein Lohn.
Spieler:
Komm her, Spielghur, jetzt ist dein Ziel,
Muß mit mir tun ein seltsam Spiel.
Wenn du schon hast drei beste Tauß,
gewinnst du nicht damit, das Spiel ist aus.

Ich hab verspielt viel Gut und Geld,
Nun muß ich fort aus dieser Welt.
Mein falsche List nicht helfen ton,
Ich bsorg mir wird der Spieler Lohn.
Jungfrau:
O Jungfrau schau dein roter Mund,
wird bleich jetzund zu dieser Stund,
Hast oft getanzt mit jungen Knaben,
Mit mir mußt jetzt ein Vortanz haben.

O weh wie greulich hast mich gfangt,
Mir ist all Mut und Freud vergang.
Hab eben gesinnt nach einem Mann,
Ach vor der Zeit muß ich jetzt dran.
Kind:
Der Jugend tu ich nicht verschonen,
Die Kindlein nehm ich wie die Blumen,
Komm her mein liebes Kindelein,
Vergiß der Mutter, jetzt bist mein.

Schau, schau mein liebes Mütterlein,
Da geht ein langer Mann herein.
Der zieht mich fort und will mich hon,
Muß tanzen schon und kann kaum gohn.
Maler:
Jakob Hiebler, laß das malen ston,
Wirf Pinsel hin, du muß davon.
Hast du schon greulich gmacht mein Leib,
Tanz her mußt mir jetzt werden gleich.

Ich hab gemalt den Totentanz,
Muß auch ins Spiel sonst wärs nicht ganz.
Jetzt ist das mein verdienter Lohn,
Kommt all hernach, ich muß davon.

Totentanz Info Wipikedia Lexikon