Fest der Heiligen Familie

Über den Sinn der Familie;
Texte von Christa Meves 
mit Bildern aus der Pfarrkirche 
St. Walburga Weißensee

Christa Meves schreibt uns über die Wichtigkeit eines "JA" zur Familie:

Die Familie ist eine besonders gute Basis für einen Weg, der zur Lebenserfüllung führt. Sie ist eine Chance, das mit dem Menschen unvergänglich Gewollte zu erfüllen: durch seine freiwillige Mitarbeit an der Schöpfung den Sieg der Liebe zu erwirken. Schon in der Gegebenheit, dass durch die liebende Vereinigung eines Mannes und einer Frau das Kind entsteht, dokumentiert sich dieser Ansatz: auf die Liebe kommt es an, freilich nicht auf jene "Liebe", die triebhaft und egozentrisch auf den Genuss ohne Reue aus ist, sondern die bereit ist, sich selbst zurückzustellen um eines Größeren, Wichtigeren, Liebevolleren willen.

Liebe dieser Art kann zu einem noch ungeborenen Kind Ja sagen und es opferbereit und liebend annehmen, selbst wenn es zunächst unerwünscht ist und den eigenen egozentrischen Intentionen zuwiderläuft. Diese Liebe von Eltern ist der Liebe Gottes zu den noch nicht direkt ansprechbaren kleinen Kindern sehr vergleichbar, ja, sie fließt aus dieser Quelle, lässt den Eltern aber die Freiheit, diesen Anruf anzunehmen oder abzulehnen. Das liebende Angenommensein des Kindes durch seine Familie stellt ein existentiell notwendiges Startkapital zur Bewältigung des Lebens dar: Die Chance, dass aus geliebten Kindern liebesfähige Erwachsene werden, ist jedenfalls sehr groß.

Da diese Einsichten manchen jungen Paaren noch nicht deutlich sind, gibt es für sie zunächst eine Reihe vorgegebener Hilfen, um ihr neugeborenes Kind liebevoll zu betreuen: Junge Mütter werden über die Hormone bereits in den ersten Tagen nach der Geburt auf ihr Kind hin geprägt; ihr Brutpflegetrieb erwacht mit großer Stärke und lässt sie die Anstrengungen der Säuglingspflege meist erstaunlich kraftvoll bestehen. In den Vätern erwacht das Bedürfnis, Mutter und Kind zu beschützen, damit die so wichtige erste enge Bindung zwischen Mutter und Säugling sich verwirklichen kann. Psychologische Erfahrung hat weltweit bestätigt: Gemeinschaftsfähigkeit, Ehefähigkeit haben ihre Voraussetzung in der ersten so engen Ich-Du-Beziehung. Sie zu verwirklichen ist aber kaum ohne den Hintergrund einer Familie möglich, oft nicht einmal allein durch den die Idylle beschützenden Vater, sondern zusätzlich durch Großeltern, Tanten, andere Verwandte und ältere Geschwister.

So sollte das erste Lebensjahr des Kindes Erfahrung der Geborgenheit sein, forderungsloser Sättigung und vertrauensvollen Schutzes. Psychologen und neuerdings zusätzlich die Hirnforschung können heute an den Krankengeschichten seelisch Leidender nachweisen, dass das Fehlen solcher Erfahrung durch eine geduldige und bemühte Familie es diesen Menschen später sehr schwer, ja manchmal ganz unmöglich macht, Vertrauen zu haben zu anderen, zum Leben und zu Gott.

Kinder ohne Familie entwickeln daher oft weniger Gefühle dieser Art in sich, sie haben es dann auch viel schwerer, eine Steuerung aufzubauen, die ihnen hilft, schädigende Handlungen (aus Liebe und Dankbarkeit) zu unterlassen. Es ist für sie wesentlich mühsamer, soziale Anpassungsfähigkeit zu entfalten. Sie werden nicht selten einsame Außenseiter oder gar Menschenfeinde.

Der Weg zum Glücklichsein, zur Lebenserfüllung durch Liebe und Arbeit ist ohne die Bereitschaft der Eltern für ihre Kinder nicht gangbar. Das Opfer der Eltern ist die Voraussetzung zur Opferbereitschaft der Kinder, und mit ihrer Hilfe kann der Mensch geistig höhere Entwicklungsstufen erreichen; denn wer nicht aus Liebe verzichten kann, freiwillig, um des geliebten anderen willen, hat keine Chance zur Sozialisierung und Überwindung egozentrischer Bedürfnisse. Eine Mutter, die während des ersten Lebensjahres ihres Kindes nicht ständig bei ihm ist, ein Vater, der diese Beziehung nicht unterstützt und durch die Schaffung des Lebensunterhaltes gewährleistet, haben wenig Aussicht auf Dankbarkeit und Menschlichkeit, ja auf eine seelisch gesunde Entwicklung ihrer Kinder.

Zu verzichten fällt den jungen Frauen heute aber schwerer denn je; denn der Trend unserer Zeit entwertet Mutterschaft, überwertet die Berufstätigkeit der jungen Familienmütter, lockt sie geradezu von ihren Kindern fort mit der Möglichkeit, zum Geldverdienen und damit zur Schaffung von mehr Besitz. Aber das Opfer, gegen all diese Versuchungen zu Hause zu bleiben, solange die Kinder klein sind, so können Psychologen heute nachweisen, zahlt sich aus, wird an der Freude mit den Kindern, an ihrem seelisch-geistigen Gedeihen, ihrer leichten Lenkbarkeit sichtbar. Berufstätige Mütter, die ihre Kinder in der ersten Lebenszeit in ein Heim geben, können sich die Hölle auf Erden einhandeln, weil der Umgang mit den oft dickfelligen, aggressiven, faulen und aufsässigen Kindern später für sie unerträglich werden kann.

Die positiven Erfahrungen am Lebensanfang schaffen also eine enorme Erleichterung zu der Fähigkeit, später zwischenmenschliche Beziehungen eingehen und erhalten zu können und zu Gott zu finden; denn die Verbindung zwischen Gott und Mensch wird gleichnishaft und vorbereitend in der Familie eingeübt. Daraus wird deutlich: In der Familie manifestiert sich ein Auftrag Gottes. Psychologische Forschung und christliches Menschenbild haben sich in jüngster Zeit geradezu als deckungsgleich erwiesen. Nach christlicher Vorstellung ist der Mensch auf eine personale Liebesbeziehung zu seinem Gott, seinem Vater, hin angelegt. Über Jesus Christus hat er die Möglichkeit bekommen, diese Beziehung zu verwirklichen. Er kann sich durch dessen Leben, seine Lehre und sein Sterben als ein von seinem Vater geliebtes Kind erleben, das auf dem Boden dieser Erkenntnis mit bewusster Gegenliebe antwortet. Dadurch wird eine innige und krafterfüllte Liebesbeziehung möglich, die den Menschen befähigt, diese Liebe an seine Mitmenschen weiterzugeben.

Die Kraft, die durch diese Liebesbeziehung gewonnen wird, macht es ihm möglich, seinen "natürlichen" Menschen - den vitalen Egoismus - in zunehmendem Maße zu überwinden und von innen her im Geist Christi zu einer unverkrampften Opfer- und Vergebungsbereitschaft zu kommen. Auf diese Weise wird der Mensch durch den Geist der Liebe aus materialistischer Gefangenschaft befreit, so dass er seinen Egoismus immer häufiger besiegen kann. Die besten Voraussetzungen, um zu einer solchen Lebenserfüllung zu gelangen, bietet die Familie.

Christa Meves

  

Christa Meves,
geboren 1925, sie studierte Germanistik, Geographie und Philosophie, danach zusätzliches Studium der Psychologie und Ausbildung zur analytischen Kinder- und Jugendtherapeutin. Arztfrau und Mutter zweier Töchter.
Millionen Leser nehmen ihren Rat in Anspruch, Millionen hören ihre Vorträge. Es gibt kaum eine deutsche Taschenbuch-Autorin, die soviel Interesse findet, und das seit mehr als 30 Jahren. Die Jugendpsychotherapeutin aus Uelzen stützt sich auf ihre Erfahrungen und auf den Mut, diese Erfahrungen auch auszusprechen und weiterzugeben; und in der Tat gehört Mut dazu, die Gefahren unserer Zeit beim Namen zu nennen.

Schön, dass wir heute in der Pfarreiengemeinschaft noch enger zusammen gehören.
So konnten wir in dieser Weihnachtszeit wählen, ob wir in einer kleinen, familiär eng zusammenstehenden Pfarrgemeinde, oder im prächtig barocken Rahmen von St. Mang oder in der großzügigen modernen Kirche "Zu den Acht Seligkeiten" das gemeinsame Weihnachtsfest feiern. In allem liegt zu dieser Zeit ein besonderer Glanz und es ist Wert, alle Kirchen der Pfarreiengemeinschaft in ihrem festlichen Schmuck zu besuchen.

 

Der Pfarrgemeinderat von St. Mang
-Ausschuss Ehe und Familie-
lädt ein zur
Kindersegnung
am Sonntag, 16. Januar 2005
um 15.00 Uhr in St. Mang.

Im Anschluss sind alle Eltern und Kinder eingeladen
zu Kaffee, Tee und Kuchen
in das Franz-Xaver-Seelos-Haus zu kommen.