Nikolausfeier des Kirchenchors
"
Zu den Acht Seligkeiten"
im Jahr 2004

Rede von Kaus Bielenberg, Chorleiter 05.12.2004

Liebe Chormitglieder und Angehörige, liebe Mitglieder des Fan-Clubs, liebe Ehrengäste

Wir  feiern nun zum 38. Male unsere Nikolausfeier und dabei ist es schon von jeher gute Tradition einen Rückblick und einen Vorausblick auf das kommende Jahr zu geben. Zugleich aber stellt sich natürlich immer wieder die Frage nach dem tieferen Sinn unserer Singgemeinschaft.


                                                Rorate 04. 12. 004

Ich möchte heute wieder einige Antworten anbieten, die auch als zusätzliche positive Verstärkung für unsere Gemeinschaft und unser Tun angesehen werden können.

In der Zeitschrift Vital war zu lesen, dass Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main mittels Blutuntersuchungen herausgefunden haben, dass Gesang das Abwehrsystem stärkt und die Selbstheilungskräfte des Körpers stimuliert. Zugleich ist Singen Balsam für die Seele. In mehreren Langzeituntersuchungen hat der Musikwissenschaftler Karl Adamek nachgewiesen, dass singende Menschen lebensfroher und ausgeglichener seien als andere. Zudem verfügten sie über ein größeres Selbstvertrauen und verhielten sich sozial verantwortlicher und seien psychisch belastbarer. Und noch eine Erkenntnis ist wichtig: „Man ist nie zu alt, das Singen zu lernen“, so sagt wenigstens Klaus Peter Samson, und er ist Direktor der Hamburger  „Sänger Akademie“. Daher ist es für mich fragwürdig, wenn es Chöre gibt, die nur  Sänger in bestimmten Alterskategorien  zulassen,  bzw. wenn es Sängerinnen und Sänger geben sollte, die nicht mit Sängern  gestiegenen Alters zusammenwirken wollen. Das war bei uns nie ein Problem.

Für uns als Kirchenchor kommen noch weitere wichtige Komponenten  der Sinnfrage hinzu. Anselm Grün hat ein kleines  Büchlein herausgegeben mit dem Titel „Musik ist ein Fenster zum Himmel“. Einige Zitate, die mich beeindruckt haben, darf ich euch kurz vorstellen: Jeder trägt in sich eine adlige Herkunft von Gott. Die Musik offenbart dem Menschen, dass er aus Gott stammt und dass daher göttliche Gesinnung in ihm waltet. Musik führt uns nach innen, in den inneren Raum des Schweigens, der Ehrfurcht, der Betroffenheit, der Freude. Das Singen soll  bei uns auch dazu dienen, das Wort Gottes im Herzen des Menschen aufklingen zu lassen. Es bringt somit das Herz zum Schwingen, es erhellt die Dunkelheit der Seele, es weckt Freude und es erweckt Liebe zu Gott und die Liebe zu allem, was ist. So bereitet die Musik dein Herz, damit Gott darin wohnen kann.

Es gibt eigentlich keine Liturgie ohne Musik. Wir  als Kirchenchor haben die Freude diese Liturgie mitzuerleben. Zum Beispiel, wie es jetzt geschieht,   mit ganz besonderen Liedern in der Advents- und  Weihnachtszeit, wie etwa „Tauet Himmel“, oder „O komm, o komm Emanuel“ oder dem Transeamus“ . Solche Lieder rühren das Herz an. Sie geben eine Ahnung von Heimat. Wenn wir Ostern feiern und dann singen  „Jubilate Deo“, so können wir dies nicht aus der Sofaecke tun. Da könnte sich das Herz nicht mehr erheben. Da traut man Gott nichts mehr zu. Da hat man Angst vor der Ekstase, zu der uns der Gesang ziehen möchte. Wer singen will, muss „enthusiatisch= in Gott“ sein. Er muss also sein enges Herz verlassen, um sich zu Gott zu erheben. Der Sinn unserer Musik ist, Gottes Stimme hörbar zu machen, damit unser Leben stimmig wird und Gottes Schönheit in unserer Stimme aufklingt.“

  

Und das durften wir im vergangenen Jahr in insgesamt 16 Aufführungen erleben. Es ist einfach erhebend an den Hochfesten  voll mit dem Gesang eingebunden zu sein, ob das mit der Bauernmesse oder der Missa pastorella an Weihnachten oder Zum Fest der Hl. Drei Könige geschah,  ob es sich an Ostern vollzog  mit der Diabelli Messe in C-Dur , oder  an unserem Patroziniumsfest  Christi Himmelfahrt mit der schwungvollen Pfarrkirchner Messe oder  an Kirchweih mit der Lateinischen Messe von Vogt. Mit unseren Passionsgesängen durften wir die Fastenzeit begleiten. Mit schönen Marienliedern verehrten wir unsere Gottesmutter. An Fronleichnam beteiligten wir uns mit Sakramentsgesängen. Es verging kein Monat, an dem wir nicht wenigstens einen Gottesdienst mitgestalten durften. Gerne erinnern  wir uns auch noch an den Abschiedsgottesdienst mit unserem Pfarrer Schneider, bei dem wir als Neuaufführung  die Missa in A von Aegidius Schenk zu Gehör brachten. Neu war in diesem Jahr, dass am Fest Mariä Himmelfahrt die Lechrainer Messe mit 3 Solostimmen gesungen wurde. Die Gründung der Pfarreiengemeinschaft  wirkte sich auch auf unseren Chor aus. Gerne gestalteten wir zusammen mit den Kirchenchören von St. Mang und Weißensee den gemeinsamen Gottesdienst am 19. September mit der Missa in C von Gounod. Es blieb nicht bei einem einmaligen gemeinsamen Wirken. Beim Kirchweihfest und  beim Dekanatskirchenmusiktag wirkten auch Mitglieder von St. Mang bei unseren Aufführungen mit. Umgekehrt beteiligten sich von uns Sängerinnen und Sänger bei  Gottesdiensten zu zwei Goldenen Hochzeiten in St. Mang.

  

Es ist selbstverständlich, dass jeder Auftritt einer guten Probenarbeit bedarf. So ist es nicht verwunderlich, dass seit unserer letzten Nikolausfeier  48 Proben gehalten wurden. Wir sind mit dem Chorleiter, der oft auch als Sänger mit tätig sein muss, nur 14 Mitglieder in unserer Singgemeinschaft. Vielleicht ist diese niedrige Zahl ein Grund für unser beispielhaftes Zusammenstehen. Ich bedanke mich ausdrücklich dafür und muss euch sehr loben, dass die Proben nahezu 100%ig besucht wurden, auch dann, wenn hin und wieder Verlegungen notwen-dig waren. Unsere Erfolge gründen letztlich aber vor allem darauf, dass wir mit äußerster Konzentration an unsere Aufgaben herangehen. Der Nikolaus kann in diesem Jahr sicherlich nicht die Rüge erteilen, dass zu viel geschwätzt oder gestört wurde. Nur so ist es erklärlich, dass die Gottesdienste bei unseren Auftritten stets eine schöne, feierliche musikalische Gestaltung erfuhren. Hierbei darf unsere Organistin, Ingrid Heckenstaller , nicht unerwähnt bleiben. Sie begleitet uns sicher und einfühlsam auf der Orgel und steht immer, wenn sie gebraucht wird, auch in den Proben zur Verfügung. Es ist gut, dass wir auch einen verlässlichen kleinen Stamm an Instrumentalisten haben, der es uns vor allem an den Hochfesten  ermöglicht, Messen mit Streicher- oder Bläserbegleitung aufzuführen. Diesen  Musikern , die teilweise schon jahrelang mitwirken  und unsere Höhen und Tiefen miterlebt haben, sage ich für ihr Engagement ebenfalls herzlichen Dank. Sie bringen nicht nur die nötige Zeit auf, sondern müssen auch teilweise lange Wege zurücklegen, um zu uns zu kommen. Wenn es ein Spezifikum für unsere Singgemeinschaft gibt, so ist es das, dass wir stets versuchen aus eigener Kraft die Kirchenmusik zu gestalten. Wir holen also keine Verstärkung, keine Vollprofis, die dann als Solisten wirken. Freilich können dann die Anforderungen nicht so hoch geschraubt werden. Die Schwierigkeiten dürfen also nicht hochstufig angesiedelt sein, wichtiger ist uns, dass das ,was wir aufführen  auch gelingen kann und würdig ist für einen „Gottesdienst“ im wahrsten Sinne des Wortes. Der Singkreis ist also kein Eventchor, kein Projektchor, kein Konzertchor, sondern ein Chor, der seine Aufgabe darin sieht, das Kirchenjahr liturgisch angemessen und verlässlich zu begleiten. Das ist vielleicht gar nicht modern und schon gar nicht modernistisch , aber  sicher zukunftsweisend und beständig, wenn die richtige, gut gemischte Auswahl an Werken zur Verfügung steht.

Freilich fehlt uns nun schon einige Jahre der Zulauf an Sängern. Wir bedauern sehr, dass uns Christian verlassen musste, weil er nun mit seinen jungen Jahren schon als Organist in Hopfen tätig sein darf. Aber sein Beispiel zeigt uns, dass es sicher junge Menschen gibt und geben wird, die zu unserer Zielsetzung ja sagen können, ihre Schwellenangst überwinden und auch zu uns stoßen. Da wir die Anforderungen nicht zu hoch setzen, ist jeder willkommen, der gerne singt und dies in der Liturgie zum Ausdruck bringen will. Dass man sich in einer solchen Chorgemeinschaft geborgen fühlen kann, zeigen unsere langjährigen Mitglieder. So werden  in diesem Jahr Linde Rist für ihr  20-jähriges und Willy Prämaßing für sein 30-jähriges Wirken in unserer Gemeinschaft ausgezeichnet. Leider können sie heute beide wegen beruflicher bzw. privater Gründe nicht anwesend sein.

Lasst mich nun noch einen kurzen Ausblick auf das folgende Jahr machen.  Wir haben nun schon einen schönen Fundus an 3-stimmiger Chorliteratur z.Tl. auch mit Orchester erarbeitet, so dass wir zumindest einmal im Monat auch weiterhin die musikalische Gestaltung der Gottesdienste übernehmen können. Stehen bleiben, heißt jedoch Stillstand.  Somit warten bereits weitere Messen auf ihre Erarbeitung. Ein Beispiel für herrliche Süddeutsche Kirchenmusik der Wiener Klassik  ist die Missa a 3 Voci, die im Sterbejahr Mozarts (1791)  von Ernest Frauenberger, einem Seelsorger, Komponiert wurde, der von 1769 bis 1840 lebte. Die zweite Caecilienmesse mit Orgelbegleitung   von Joseph Gruber ist eine leicht zu singende Messe gerade für kleinere Chöre. Eine melodisch und rhythmisch aparte Messe mit sanglich gut geführten Stimmen  ist die Missa ternis vocibus  von Josef Butz. Auch sie steht auf dem Programm .Daneben gilt es auch einzelne Gesänge für die Passion, für die Maiandacht, für Silvester, für Advent , für Zwischengesänge an Hochfesten zu erarbeiten. Ein genaues Programm ist auch deshalb noch  nicht möglich, weil auch das Zusammenwirken der Kirchenchöre von St. Mang und Acht Seligkeiten vor allem an solchen Tagen die Regel sein wird, an denen Gottesdienste zusammengelegt werden. Das könnte z.B. am Gründonnerstag, am Karfreitag , am Karsamstag und an Fronleichnam durchaus möglich sein. Ich erinnere mich, dass sich die Pfarrei Zu den Acht Seligkeiten unter Pfarrer Heinle immer an der Altstadtprozession beteiligt hat. Das Zusammenwirken von zwei Chören brächte Synergieeffekte mit sich, allerdings – und das muss deutlich gesagt werden – nur eingeschränkt. Denn in beiden Chören fehlt es drastisch an Alt- und Männerstimmen. Somit liegt das Problem bei einer Zusammenlegung darin, dass der Sopran viel zu übermächtig wird. Ich sehe im Übrigen nicht die Gefahr, dass wegen der Pfarreiengemeinschaft unser Chor aufgelöst wird. Er hat weiterhin sehr eigenständige Dienste in unserer Pfarrei zu verrichten. Auch hier muss wieder die Erinnerung greifen. Bei der Gründung der Pfarrei wollte man zunächst, dass der Chor St. Mang , in dem ich damals mitwirkte, unsere Pfarrei sozusagen mitbedient. Das ließ sich natürlich nicht verwirklichen. So machte sich damals Pfarrer Heinle auf, ging durch die Klassen des Gymnasiums  und fand schließlich auch junge Sänger , womit dann auch unser Chor gegründet wurde und nun nach fast 40 Jahren  die älteste Gemeinschaft der Pfarrei darstellt.

 All die Jahre hindurch waren geprägt von einer guten Geselligkeit.  Und so war es auch im letzten Jahr. Sieben mal trafen wir uns nach den Proben im Clubraum, darunter auch zum Faschingskränzchen, zum Kässpatzenessen und zu Geburtstagsbrotzeiten von Barbara Schumann und Brigitte Wenzel, zwei Mal ließen wir uns auch auf den Salvator im Soldatenheim ein. An der  Tradition des schön gestalteten Ostermahles  am Ostersonntag nach dem Gottesdienst hielten wir auch im vergangenen Jahr fest, gerne nahmen wir am Mittagessen nach dem Fronleichnamsfest teil, natürlich genossen wir auch den Umtrunk beim Kirch-weihfest. Bei der Verabschiedung unseres Pfarrers Schneider durften wir nicht fehlen, wir folgten auch der Einladungen zum Treffen anlässlich der Gründung der Pfarreiengemeinschaft. Es war für uns selbstverständlich für das leibliche Wohl nach dem Dekanatskirchenmusiktag zu sorgen. Highlights waren der Besuch des Musicals Phantom der Oper in Stuttgart im Februar und unser Ausflug  am 15. Mai  zu den Inseln Herrenchiemsee und Frauenchiemsee  mit abschließendem Abendessen im Gasthof Sera in Unterreithen.  Schade und sehr bedauerlich, dass nur 8 Aktive an diesem herrlichen Ausflug  teilnahmen!

Wie immer möchte ich euch allen danken für den guten Zusammenhalt, der sich gerade bei diesen Veranstaltungen zeigt. Ich weiß sehr wohl, welche Arbeit hinter allen Tätigkeiten steckt. Stellvertretend für alle guten Geister möchte ich Bärbl und Barbara Schumann herausheben. Dank gilt aber auch unserer Kassiererin Lissy  und unserer geplagten  Notenwartin Edith, die beide auch so fürsorglich die Päckchen für den heutigen Abend zusammengestellt haben, natürlich auch unserem unermüdlichen Nikolaus Sigi.

  

Heute möchte ich auch einmal unsere Lydia erwähnen, die trotz des weiten Weges stets zuverlässig zu unseren Proben erscheint. Was täten wir ohne unseren Kirchenpfleger Max Schneider, der uns im finanziellen Bereich stets gut gesonnen ist. Wir wissen das sehr zu schätzen  und sehen so, dass unsere Arbeit auch die nötige Rückendeckung erfährt. Immer wieder freue ich mich, wenn ich die sorgfältig gepflegten Internetseiten von Herrn Vogler betrachte. Unser Chor wird hier sehr gut repräsentiert. Vielleicht kommt doch noch der oder die Eine oder Andere auf diese Weise in unseren Chor.

 

Ich wünsche uns heute noch eine schöne Feier. Wir haben sie – so meine ich – verdient. Halten wir auch im neuen Jahr gut zusammen, behalten wir unsere Freude am Singen und am Dienst in der liturgischen Mitgestaltung und haben wir die Zuversicht, dass zu unserem Tun Gottes Segen erhalten.

  

Nikolausfeier 2003

Ausflug zum Chiemsee