IMPRESSUM

Nacht der Kirchen 2010
Hunderte Besucher strömen Freitag Nacht in die Füssener Kirchen

AZ, Füssener Blatt, Montag den 26. Juli 2010

Wenn selbst der Teufel Beifall erntet

Kirchennacht Erfolgreiche Premiere in Füssen - Vielfältiges Programm kommt bei den Teilnehmern gut an

Füssen: In der Christuskirche ist an diesem Freitagabend der Teufel los - und er erntet gleich zweimal Beifall: Einmal als Mephisto aus Goethes Faust und das andere Mal als Antreiber der Klimakatastrophe. „Das hat mir sehr gut gefallen", sagt der neunjährige Timo zum zweiten Stück, das Füssener Gymnasiasten bei der Nacht der offenen Kirchen aufführen. Nicht nur Timo, auch die vielen anderen Besucher in den acht Gotteshäusern sind angetan vom vielfältigen Programm.

Das deckt die ganze Bandbreite ab, reicht vom fetzigen Schlagzeug Solo bei der Freien evangelischen Gemeinde bis zur Meditation in der Kirche Zu den Acht Seligkeiten. Oper in der Franziskanerkirche hören oder selbst singen in der Spitalkirche, Kultur- und Heimatgeschichte am Alten Friedhof erfahren und noch vieles mehr: 

Diese Mischung kommt an, hunderte Menschen bewegen sich in dieser Nacht von einer Kirche zur anderen. Wen der Hunger überfällt oder der Durst, der kann sich von Mitgliedern der evangelischen und der syrisch-orthodoxen Gemeinde bewirten lassen.

Viel Beifall für Musikwerkstatt Gegen 22.15 Uhr strömen immer mehr Besucher in Richtung Franziskanerkirche, denn dort haben bald die jugendlichen aus der „Musikwerkstatt" des Dekanats ihren Auftritt. Sie waren gemeinsam in Assisi und haben dort ein ebenso besinnliches wie lebensfrohes Programm eingeübt. Am Ende spenden die Zuhörer viel Beifall, auch Stadtpfarrer Frank Deuring ist voll des Lobes: „Ihr habt wunderschön gesungen und musiziert", sagt er.

Und weiter geht's zur Stadtpfarrkirche St.Mang, zum ökumenischen Abschluss der Kirchennacht: Neben Deuring haben sich sein evangelischer Amtsbruder Joachim Spengler, Pastor Henrik Otto (Freie evangelische Gemeinde) und Yevno Cepe von der syrisch-orthodoxen Gemeinde eingefunden, um mit den Teilnehmern die Veranstaltung in Ruhe ausklingen zu lassen.

Im Anschluss daran sprechen Deuring und Spengler - auf seine Initiative hin wurde die erste Füssener Kirchennacht geplant - von einem „Erfolg". Man werde darüber reden, ob und wann die Aktion in Füssen wiederholt wird. Eines steht laut Spengler aber bereits jetzt fest: An der Kirchennacht, die im Mai 2011 unter anderem in Kempten, und Kaufbeuren geplant ist, werde man sich nicht beteiligen. Hier gebe es terminliche Probleme. Füssen werde ein bisschen „eine eigene Spur" fahren, so Spengler.

Und was hält „Gott" von der Kirchennacht? „Ich finde die Idee gut sagt Manuel Kunkel vom Füssen Gymnasium, der in der Christuskirche zuvor den Schöpfer in der Szene mit Mephisto mimte. (hs/ha)

 

Kommentar
von Heinz Sturn

Man muss kein Frömmler und auch keine Betschwester sein, um sich nach dieser Nacht der offenen Kirchen von den beteiligten Gemeinden zu wünschen: 
Bitte sorgt für eine zweite Auflage! Denn das kontrastreiche Programm bot für jeden Besucher etwas. Das bewies die teils beschwingte, teils besinnliche, aber immer angenehme Atmosphäre in den acht Gotteshäusern, die alle gut gefüllt waren - auch von solchen Besuchern, die sonst eher selten einen Fuß über die Schwelle einer Kirchenpforte setzen. Selbst wenn es hie und da etwas zu verbessern gibt - so sollte der Terminplan etwas entzerrt werden, um den Besuch möglichst vieler Veranstaltungen zu ermöglichen -, war es eine tolle Premiere. Und darauf sollte möglichst bald, vielleicht schon im nächsten Jahr, eine Neuauflage folgen.

 

 

 

Die Menschen aus der Region sind begeistert

Monika Hinfurtner, Schwangau: Ich komme gerade aus der Krippkirche und fand die Einführung in die syrischorthodoxe Kirche, eine mir fremde Glaubenswelt, sehr interessant. Die Diashow war anschaulich, leider war der Referent nur sehr schwer zu verstehen. Aber auch die Äußerlichkeiten, die Frauen mit ihren weißen Kopftüchern, haben mich sehr beeindruckt: Ich finde es schön, dass sich diese Glaubensgemeinschaft bei uns so gut integriert hat.

Norbert Dietz, Füssen: Ich bin mit meiner Tochter Marina (10) heute Abend unterwegs, bin einfach neugierig und möchte mir andere Kirchen einmal von innen anschauen. Ich finde die ruhige Stimmung hier in der Sebastianskirche sehr schön mit der Zithermusik von Magnus Lipp und dem Kerzenlicht. Die Ausführungen von Fredl' Hofmann zum Gotteshaus waren sehr informativ. Meine Tochter ist von den gewaltigen Bildern an den Wänden beeindruckt.

Tobias Heiserer, Schvvangau: Ich bin Ministrant und finde es toll, dass hier in der Franziskanerkirche das Thema „Pilgerreise von und nach Italien" nicht liturgisch, sondern musikalisch aufbereitet wird. Wir waren an Ostern eine Woche in Assisi und haben dort Stücke einstudiert, die wir heute Abend spielen werden. Ich spiele Saxophon und freue mich, dass wir von der Jugendwerkstatt bei diesem Projekt mit dabei sein können. Eine ganz neue Erfahrung für mich.

Helga Walther, Füssen: Das gemeinsame Singen mit dem Singkreis von Acht Seligkeiten in der Spitalkirche war ein ganz neues Erlebnis für mich. Klaus Bielenberg hat das wirklich gut gemacht. Die gregorianischen Gesänge, zu denen es eine Einführung gab, haben etwas Erhabenes; Feierliches. Das Spirituelle ist wieder im Kommen, da bin ich mir sicher. Die Menschen suchen dieses Erlebnis. Mir gibt es Geborgenheit und Halt, wenn ich in einem Kirchenraum bin.'

Karin Senn, Rieden: Die spirituelle Musik in der Christuskirche hat mir sehr gefallen. So etwas findet man vor allem bei der evangelischen Kirche. Es begeistert mich in der heutigen Zeit, dass der Pfarrer sich mit integriert und selbst zur Gitarre greift und mitspielt. Mir gefällt dieser so lebendig gelebte Glaube; das Öffnen für etwas Neues. Ich wünsche mir, dass so ein Abend wieder einmal stattfindet.

Herta Grimme, Füssen: Die Art, wie die Lieder und das Theaterstück vorgetragen wurden, hat mir hier in der Freien evangelischen Gemeinde sehr gut gefallen, haben mich zum Nachdenken angeregt. Das, was man nicht kennt, hat mich gereizt an diesem Abend. Mit der zeitlichen Vorgabe bin ich gut zurecht gekommen und fahre jetzt zum Abschluss noch nach St. Mang. Ich habe das Gefühl, dass man in den kleineren christlichen Gemeinden viel näher zusammenrückt.

Christian Pischetsrieder, der frühere evangelische Pfarrer in Pfronten: Dass die Kirchen an diesem Abend so voll wären, hätte ich nicht gedacht. Ich finde die Idee von Pfarrer Spengler gut, weil wir nur so Toleranz füreinander entwickeln können und den anderen besser verstehen lernen. Mir hat gefallen, dass die Programme, mit denen sich die einzelnen Kirchengemeinden dargestellt haben, so ganz unterschiedlich waren. Ich habe auch Neues erfahren und Menschen kennen gelernt, die ich vorher nicht kannte. 

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