Text von Heinz Sturm
Datum 31. Mai 2008

Die Jugendarbeit ist ihm wichtig

Der Füssener Stadtrat spricht sich für Frank Deuring aus - Die Amtseinführung findet am 7. September statt 
Der gebürtige Kaufbeurer Julius Kreuzer kommt als Kaplan

Von Heinz Sturm | Füssen Ähnlich wie die Kardinäle, die im Konklave einen neuen Papst wählen, durften sich die Füssener Stadträte am Donnerstag fühlen. Sie hatten die Frage zu klären, wer die Nachfolge von Karlheinz Knebel als Stadtpfarrer antreten soll. Hinter verschlossenen Türen sprach sich das Kommunalparlament einstimmig für Frank Deuring aus. Seine Amtseinführung ist für Sonntag, 7. September, geplant. Der 39-Jährige hält sich mit konkreten Aussagen zu seiner künftigen Arbeit noch zurück: „Ich will erst einmal die Menschen und die Strukturen der Gemeinden kennenlernen“, sagte er unserer Zeitung. Einen Schwerpunkt benennt er aber: „Die Jugendarbeit ist mir wichtig.“

Der Ort der Ratssitzung war mit Bedacht gewählt: Im Colloquium - dem Versammlungsraum, Lese- und Studiersaal der Mönche im ehemaligen Kloster St. Mang - traten die Stadträte zusammen. Dort mussten sie klären, wen sie als Nachfolger für Stadtpfarrer Karlheinz Knebel vorschlagen wollten, der als Generalvikar künftig die rechte Hand von Bischof Dr. Walter Mixa sein wird. Dieses Präsentationsrecht ist mit der Geschichte des ehemaligen Klosters St. Mang verknüpft (siehe Info-Kasten). Die Auswahl war begrenzt: In Zeiten des Priestermangels stand als einziger Kandidat Franz Deuring zur Verfügung.

Herz schlägt für die Seelsorge
Doch der 39-Jährige, der in den vergangenen fünf Jahren als Domvikar in Augsburg vorwiegend Verwaltungsaufgaben der Diözese betreute, überzeugte die Stadträte mit seinem Auftritt. Er versicherte: „Mein Herz schlägt mehr für die Seelsorge“ als für die Verwaltung. Er wolle den Kontakt zu den Menschen suchen, die Nähe zu den über 8000 Katholiken der Pfarreiengemeinschaft Füssen liege ihm am Herzen. Für den Pfarrer wichtig: „Kirche muss da präsent sein, wo Menschen Hilfe benötigen.“ Er freue sich auf die neue Herausforderung in Füssen.

Für alles aufgeschlossen
In der öffentlichen Fragerunde der Stadträte wollte Dritter Bürgermeister Adalbert Guggemos wissen, ob sich Deuring eher als konservativer oder liberaler Pfarrer einstufe. „Ich bin für alles aufgeschlossen“, sagte der 39-Jährige. Doch „alte Zöpfe rigoros abschneiden will ich nicht“. Er stufe sich eher in der Mitte stehend ein. Gabriel Guggemos wollte mit Blick auf den Priestermangel wissen, wie die Pfarreiengemeinschaft personell ausgestattet werde. Füssen stehe dank der Ruhestandsgeistlichen und der Patres des Franziskanerklosters noch relativ gut da, so Deuring. Zudem werde für den aus Füssen scheidenden Pfarrer Kazimierz Piotrowski mit dem gebürtigen Kaufbeurer Julius Kreuzer ein neuer Kaplan kommen.

Magnus Peresson kritisierte die modernen Elemente in der Kirche St. Mang. „Es gibt viele Katholiken, die diese Kirche deshalb nicht mehr betreten.“ Doch vorerst bleibt alles beim Alten, versicherte der künftige Stadtpfarrer. Er wolle erst seine neuen Gemeinden kennen lernen.

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Seit 1909 hat die Stadt Füssen das Präsentationsrecht

• Bei der Frage, wer Stadtpfarrer von St. Mang wird, hat der Füssener Stadtrat das Vorschlags- oder Präsentationsrecht gegenüber dem Augsburger Bischof. Dieses Recht ist mit der Geschichte des ehemaligen Klosters St. Mang verknüpft und ging nach der Säkularisation 1802/03 auf die Besitzer dieser Liegenschaft über.

• Nach der Säkularisation wurde der Pfarrdienst über mehr als 20 Jahre nur provisorisch von Benediktinern im Ruhestand versehen. Erst im Dezember 1830 wurde ein entsprechender Vertrag abgeschlossen: Das fürstliche Haus Oettingen-Wallerstein, die königliche Kreisregierung und das bischöfliche Ordinariat vereinbarten, dass „das Präsentationsrecht auf die Pfarrei" den Fürsten von Oettingen-Wallerstein vorbehalten sei. Mit dem Kauf der Herrschaft St. Mang durch den Freiherrn von Ponickau 1839 ging auch das Präsentationsrecht in seine Hände über, obwohl er evangelischer Konfession war.

• Die Kaufurkunde der Stadt Füssen von 1909 erwähnt, dass das auf dem ehemaligen Kloster ruhende Recht auf die Kommune übergeht.

• Das Vorschlagsrecht ist keine Rarität in derDiözese Augsburg. Es kann mit Besitztümern zusammenhängen oder bei adeligen Familien liegen.

• Die endgültige Ernennung des Stadtpfarrers erfolgt durch den Bischof. Doch in der Regel respektierten die Bischöfe in der Vergangenheit die Vorschläge der Stadt. Wie 1987: Damals schlug der Stadtrat von anfangs acht Bewerbern schließlich Karlheinz Knebel als Stadtpfarrer vor, dem stimmte der damalige Bischof Dr. Josef Stimpfle kurz darauf zu. (hs)

Text von Arno Späth
Datum 14. April 2008

Der Stadtpfarrer bringt einen Kaplan mit

Besuch Frank Deuring schaut sich im Pfarrhof
um und stellt sich Bürgermeister vor

Füssen I asp I Der neue Stadtpfarrer von St. Mang wird im September nicht alleine kommen. Frank Deuring bringt für den aus Füssen scheidenden Pfarrer Kazimierz Piotrowski einen neuen Kaplan mit. Wer das sein wird, verriet er gestern Vormittag im Pfarrhof von St. Mang noch nicht. „Mit dem neuen Kaplan wurde über dessen Wechsel nach Füssen noch gar nicht gesprochen", ließ Deuring in seiner Noch-Eigenschaft als Domvikar beim Bischof in Augsburg anklingen, dass in der Diözese Augsburg derzeit das Personalkarussell auf Hochtouren läuft.

Wie unsere Zeitung berichtete, werden im September neben Füssen-St.-Mang weitere drei Pfarrer Stellen neu besetzt: Alois Linder wird Pfarrer von Seeg, und Heribert Stiegler wird in Nesselwang Nachfolger von Siegfried Blanz, der in den Ruhestand geht. Noch nicht bekannt ist, wer für Harald Heinrich (er wird Domvikar in Augsburg) als Pfarrer nach Pfronten kommen wird.

Frank Deuring stammt aus Memmingen. Füssen kennt er von Fortbildungen im Gästehaus St. Ulrich in Bad Faulenbach und von privaten Besuchen. So ließ er sich beispielsweise eine Vorstellung des Musicals Ludwigz im Festspielhaus nicht entgehen. Und wenn er private Gäste hatte, dann zählten Füssen, die Königsschlösser in Schwangau und Linderhof zu den Ausflugszielen.

Gestern Vormittag traf sich Deuring in Füssen zunächst mit Kirchenpfleger Günter Hörger, Architekt Franz Nagel und Ludwig Konrad vom Projektmanagement der Diözese. Die Gespräche drehten sich um den Pfarrhof von St. Mang und anstehende Reparaturen. Wird auch ein Nachfolger für Valentina, die Hündin von Knebel und dessen Pfarrhausfrau Hornsteiner, im Pfarrhorf einziehen? „Nein, ich habe keinen Hund, ich bin aber tierlieb", erzählte Deuring.

Zusammenarbeit mit der Stadt

Nach dem Besuch im Pfarrhorf ging's ins Rathaus. Hier stellte sich Deuring in Begleitung von Stadtpfarrer Knebel bei Bürgermeister Christian Gangl und dessen Amtsnachfolger Paul Iacob vor. Weil der Stadtrat bei der Besetzung der Stadtpfarrer-Stelle gegenüber dem Bischof ein Vorschlagsrecht hat (wir berichteten), wird sich Deuring demnächst auch dem gesamten Gremium präsentieren. „Das ist neu für mich", sagte er unserer Zeitung. Der 39-Jährige hält es „grundsätzlich für wichtig, dass Kirche und Kommune gut zusammenarbeiten".

Der künftige Füssener Stadtpfarrer Frank Deuring hat sich beim Bischof um die frei werdende Stelle in St. Mang beworben. Nach acht Tagen Bedenkzeit war die Entscheidung gefallen.
Von den neun Jahren seiner bisherigen Priesterzeit war Deuring in den vergangenen fünf Jahren als Domvikar in Augsburg in der Verwaltung der Diözese eingesetzt. Daneben betreute er als Pfarrer die rund 1040 Katholiken der Pfarrei Deuringen bei Augsburg-Stadtbergen.
Nun wollte er wieder in den ursprünglichen priesterlichen Dienst und bewarb sich um die Stelle in Füssen. Hier sind in der Pfarrseelsorge rund 8040 Katholiken zu betreuen. (asp)

Monsignore Karlheinz Knebel
wird neuer Generalvikar des Bischofs von Augsburg