Diesmal strahlt der
Himmel über Füssen

Bewegender Abschied Stadtpfarrer Karlheinz Knebel sagt Lebewohl

Text von Markus Raffler und Philomena Willer
Bilder:      Hauk Georg; Manfred Sailer; Alfred Vogler
Datum:    
03. August 2008
Füssen/Hopfen Bei seiner Primiz vor 
30 Jahren hatten die himmlischen Mächte Karlheinz Knebel noch ein wenig zappeln lassen. Erst mitten im Kirchenzug konnten erste Sonnenstrahlen den Regen verdrängen. Gestern, beim feierlichen Abschied des Monsignore als Füssener Stadtpfarrer, weinte der Himmel nicht.
Geistlichkeit, rund 50 Ministranten der Pfarreiengemeinschaft, Stadträte, Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft sowie zahlreiche Fahnenabordnungen Füssener Vereine und Organisationen geleiteten den Monsignore
im langen Zug vom Pfarrhof zur Kirche. Generalvikar Karlheinz Knebel, Pfr. Kazimierz Piotrowski, Pfr. Spengler und der Bürgermeister Paul Jacob wurde in einer Ehrenkutsche chauffiert.

 

Und das war ganz im Sinne des Hirten von 8000 Füssener Schäfchen: „Der heutige Tag ist Abschied und zugleich auch Weitergehen in die Zukunft", betonte er in der übervollen Pfarrkirche St. Mang.

Bis zum endgültigen Lebewohl dauert es allerdings noch einige Wochen: Der eigentliche Umzug Knebels erfolgt erst Ende des Monats. Bis dahin wird der Generalvikar zumindest an den Wochenenden weiter in seiner Heimatstadt wirken. Nachfolger Frank Deuring wird am 7. September ins Amt eingeführt.

„In Füssen Pfarrer zu sein, war ein Geschenk, von Gott gegeben", betonte der Monsignore oben auf Kanzel. Dafür sage er von Herzen danke. In den 21 Jahren seit seinem Amtsantritt habe sich vieles gewandelt, erinnerte er an veränderte Bedürfnisse der Menschen, ans Entstehen der Pfarreiengemeinschaft oder neu etablierte Glaubensgemeinschaften vor Ort. Solchen Wandel gelte es heute wie früher anzunehmen und dabei auf die Beständigkeit der tragenden Werte zu achten. „Mögen Pfarrer kommen und gehen, Christus ist der, der bleibt - und das ist entscheidend. "

Ein seltener Anblick, der bei besonderen Anlässen in St. Mang jedoch Tradition hat: I Monsignore Karlheinz Knebel stieg zum Abschied als Stadtpfarrer zur Predigt auf die I Kanzel. Den Großteil der Messe hatte er in Konzelebranz mit mehreren Priestern, darunter der ebenfalls scheidende Kazimierz Piotrowski, am Hauptalter gefeiert.

Zugleich kündigte der Generalvikar an, dass er Füssen keinesfalls den Rücken kehren werde. „Das wird heute wohl nicht die letzte Predigt hier sein", hoffte er. Chor und Orchester von St. Mang hatten den Gottesdienst mit der großen Credo-Messe von W. A. Mozart umrahmt.

Nach der Messe verabschiedeten die Füssener Böllerschützen Knebel mit mehrfachem Salut. 
„Jetzt kommt unser Pfarrer da hin, wo er seine Fähigkeiten voll einsetzen kann", gewann ein älterer Füssener dem Weggang auch etwas Positives ab - und zudem: „Nach 21 Jahren kann ein Wechsel 
auch ganz gut tun."

Cilly Kahle hatte im Anschluss eine bunte Abschiedsfeier im Haus Hopfensee organisiert. Für Stimmung sorgte die Harmoniemusik Füssen, gute Laune hatten die Vertreter der Pfarreiengemeinschaft, der Geistlichkeit und Politik mitgebracht. Nicht nur das Kaminholz am Eingang war als Spende für den Monsignore gedacht - die Pfarrgemeinden und Vereine stifteten den Kachelofen fürs neue Augsburger Heim dazu. 

Die offizielle Verabschiedung durch die Stadt folgt zwar erst im September. Doch Bürgermeister Paul Iacob erinnerte schon vorab an die besondere Verbindung zwischen Stadt und Stadtpfarrer. „Stellt euch vor, a Fiasser is aa dabei," hatte Bürgermeister Otto Wanner 1987 zur Auswahl der Kandidaten gesagt. Iacob unterstrich den jungen Geist, den frischen Wind, den Knebel in die Stadt gebracht habe - stets verbunden mit der Achtung der Traditionen. 

Auf den langjährigen Weggefährten gelebter Ökumene ging der evangelische Pfarrer Joachim Spengler ein, auch KAB und Frauenbund dankten. Für die Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen von St. Mang, Acht Seligkeiten, Weißensee und Hopfen sagte Manfred Sailer dem bisherigen Dekan sowie Pfarrer Piotrowski Lebewohl.

 

Abschiedsfeier von Seeg