Geistliche Abendmusik
Musik in Liturgie und Konzert

Basilica St. Mang Füssen
Samstag, 31. März 2007, 19:30 Uhr

Kath. Pfarrkirche
St. Johann Baptist Oberstdorf
Sonntag, 1. April 2007, 17:00 Uhr

 

Der Tod Jesu

Passion von Carl Heinrich Graun (1703-1759)

Ausführende:
Dorothea Mertens und Getrud Hiemer-Haslach (Sopran),
Stefan Heidweiler (Tenor),
Albert Frey und Willie Pirzer (Bassbariton),
der Motettenchor Füssen,
Füssener Kammersolisten, Ltg. Albert Frey

Der Komponist: Carl Heinrich Graun (1703-1759)

Carl Heinrich Graun wurde 1703 oder 1704 als Bruder von Johann Gottlieb Graun in Wahrenbrück geboren. Er besuchte von 1714 bis 1721 die Kreuzschule in Dresden und wurde dort neben dem Musikunterricht zum Tenoristen ausgebildet, so daß er 1725 als Opernsänger nach Braunschweig gehen konnte. Im Jahr 1727 war er bereits Vizekapellmeister der Oper; 1735 wurde er an den Hof des nachmaligen Königs Friedrichs II. berufen, der ihn 1740 zum Hofkapellmeister und Leiter der Königlichen Oper in Berlin bestellte. Er starb am 8. August des Jahres 1759 in Berlin.

An Instrumentalmusik schuf Graun ungefähr 100 Triosonaten, 30 Cembalokonzerte, einige Flötenkonzerte für König Friedrich II., ein Hornkonzert, ein Concerto grosso, 2 Orchestermärsche und Gelegenheitsstücke. Seine Kompositionsstärke lag jedoch in der Vokalmusik. Neben über 33 Opern für Braunschweig und Berlin verfaßte er die Passionskantate »Der Tod Jesu«, die bis 1884 alljährlich am Karfreitag in Berlin gegeben wurde, ein Te Deum anläßlich des Sieges Friedrichs des Großen bei Prag (1757), 3 weitere Passionskantaten, 3 Trauermusiken, 27 Kirchenkantaten, mehrere Messen, ein weiteres achtstimmiges Te Deum und einige Motetten. Ausßerdem schrieb er etwa 100 weltliche Kantaten und »außerlesene Oden« auf Texte deutscher Dichter und schließlich eine Anzahl Lieder, mit denen er seinen Beitrag zur Begründung der »Berliner Liederschule« leistete; sie wurden in verschiedenen Sammlungen aufgenommen. Seine vierstimmige Vertonung des Textes von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 bis 1803), »Auferstehen, ja auferstehen«, fand weite Verbreitung.

Das Werk "Der Tod Jesu"

Grauns Werk war in der Zeit nach Bachs Tod über lange Jahre aus der kirchenmusikalischen Praxis in der Passionszeit nicht mehr wegzudenken war. Mit seinem Werk löste Graun im Jahr 1755 die Tradition der barocken Passionsoratorien ab, die dem damaligen Zeitgeschmack in verschiedenen Punkten entgegen kam. Zum einen hielt in der Dichtung von Karl Wilhelm Ramler die Theologie der Aufklärungsepoche Einzug. Im Mittelpunkt steht der tugendhafte Mensch Jesus, durch dessen Empfindungen der Liebe, des Mitleids und des Schmerzes die Seelen der Zuhörer gerührt werden sollen. Die Textvorlage enthält keine Bibelzitate, sondern begleitet das Passionsgeschehen, das man als bekannt voraussetzt, kommentierend und beschreibend. Es enthält Elemente aus allen vier Evangelien. Das Passionsgeschehen soll damit von den Zuhörern nacherlebt werden. Manche Formulierungen und Gedanken sind uns heute fremd und ungewohnt.

Ganz anders ist dies bei der Musik.

Graun, geboren 1703 und damit ungefähr so alt, wie Johann Sebastian Bachs älteste Söhne, war Hofkapellmeister Friedrich des Großen in Berlin und komponiert ganz im sogenannten empfindsamen Stil, der Trauer, Schmerz, Jubel und Freude subjektiv ausdrückt. Dieser Stil wurde z.B. auch von den Bach-Söhnen gepflegt. Die Arien sind zum Teil sehr virtuos und betrachten das Geschehen in großer Gesamtsicht und weniger auf das jeweilige Ereignis bezogen. Die Chöre finden wir sowohl im alten Fugenstil komponiert, als auch in frei gestalteter Form, vergleichbar in der Art eines Opernchores der damaligen Zeit. In das Werk eingestreut sind insgesamt sechs Choräle.

(B. Reich)


von rechts: Stefan Heidweiler (Oberstdorf) und Albert Frey (Füssen)

 

Motettenchor Füssen

Der Motettenchor Füssen ist ein Vokalensemble der Pfarrei St. Mang Füssen. Der Chor wurde 1996 von Chorregent Albert Frey gegründet und zählt mittlerweile um die 15 Mitglieder. Bisher war der Chor zur Liturgiestaltung in St. Mang und anderen Pfarreien rund um Füssen und bei verschiedenen Konzertprojekten zu hören. Die Literatur umfaßt weltliche und geistliche Motetten aller Epochen von der Renaissance bis zur Moderne. So wurde bislang Chormusik a Cappella und mit Orgelbegleitung u.a. von Josef Rheinberger, Max Reger, Jean Berger, Anton Bruckner, Johannes Brahms, Franz Liszt, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Michael Haydn einstudiert. Im Jahr 2002 kam der "Totentanz" von Hugo Distler zur Aufführung und das "Stabat Mater" für Soli, Chor und Orchester von Joseph Haydn. Zuletzt kam der Chor einer Einladung nach Ostiglia in Norditalien (an der Südspitze der Via Claudia Augusta gelegen) nach und studierte aus diesem Anlaß ein anspruchsvolles a cappella Programm mit anspruchsvollen Motetten der deutschen Romantik ein.

Motettenchor Füssen 5. Juli 2006

albert frey, Regionalkantor

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